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Einsamkeit: Welche Wege helfen aus dem Alleinsein?

Einsamkeit bezeichnet nicht bloß das reine Alleinsein eines Menschen. Innere Leere und das Gefühl, nicht geliebt zu werden, machen sich in betroffenen Menschen breit und verursachen einen Schmerz, der so einfach nicht wieder verschwindet.

Objektiv betrachtet, entsteht das Gefühl der Einsamkeit durch einen Unterschied zwischen den gewünschten und den tatsächlich vorhandenen sozialen zwischenmenschlichen Beziehungen. Aus der Sicht von Betroffenen allerdings beschreibt Einsamkeit einen dauerhaften Gefühlszustand, der vorhandene Beziehungen und Kontakte nur in unzureichender Qualität erlebt und beurteilt. Eine stille Wut gegen sich selbst und die Abneigung von glücklichen Menschen sind nicht selten die Folgen von Einsamkeit und erschweren Betroffenen den Alltag zusätzlich stark.

WIe viele Menschen tatsächlich unter dem Gefühl von Einsamkeit leiden, ist vielen nicht bewusst. Betroffene sprechen nicht gerne darüber und versuchen ihr Leiden hinter einer Fassade und einem geregelten Leben zu verbergen. Dabei trifft Einsamkeit nicht nur ältere und kranke Menschen. Auch Singles können in jedem Alter von dem tückischen Gefühl der Leere betroffen sein, ebenso wie Karrieremänner und -frauen. Wer denkt, dass Menschen in einer Partnerschaft, als Teil sozialer Gruppen oder sogar innerhalb einer Ehe nicht einsam sein können, liegt falsch. Einsamkeitsgefühle sind höchst subjektiv und können Menschen in jeder Lebenslage einschränken.

Im Clip: Warum wir uns einsam fühlen

Ursachen: Warum fühlen wir uns einsam?

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Das bedrückende Gefühl der Einsamkeit kann aus verschiedenen Gründen resultieren. Von körperlichen, über seelische Erkrankungen, bis hin zu plötzlichen Schicksalsschlägen kann alles infrage kommen und sollte systematisch erfragt und untersucht werden. Nicht selten entsteht Einsamkeit schon im Kindesalter und wird mit den Jahren immer schlimmer. Grund sind beispielsweise Eltern, die abwesend oder abweisend waren. Auch ein liebloser Umgang durch Geschwister, Großeltern und weitere nahestehende Personen kann Kinder schon früh in ihren eigenen Gefühlen verunsichern. Die Folge sind Schwierigkeiten, Kontakte zu knüpfen oder diese auf lange Sicht aufrecht zu erhalten. Grundsätzlich kennt Einsamkeit jedoch keine Altersgrenze. Ob Kind, Jugendlicher oder junger Erwachsener - das Einsamkeitsgefühl kann bei ihnen ebenso auftreten wie bei Menschen mittleren oder hohen Alters.

Wichtig ist aber: Betroffene stoßen die Menschen in ihrer Umgebung nicht absichtlich von sich weg. Diese Handlung ist über viele Jahre und durch verschiedene äußere Einflüsse als Schutzmechanismus erlernt wurden. Hier ist vielmehr das Gegenteil der Fall. Ein starkes Einsamkeitsgefühl kann für Betroffene genauso schmerzhaft werden, wie eine ernstzunehmende körperliche Erkrankung.

Psychische Erkrankungen

Einsamkeit ist nicht bloß ein Gefühl oder eine flüchtige Phase. Die systematische Vereinsamung Betroffener lässt sich nicht selten sogar durch vorangehende, ernstzunehmende psychische Erkrankungen begründen. Vor allem Depressionen oder psychotische Störungen, die den Bezug zur Realität in unterschiedlichem Ausmaß beeinträchtigen, sind typische Auslöser für ein ausgeprägtes Einsamkeitsempfinden. Hast du das Gefühl Hilfe zu benötigen, kannst du dich an eine Vertrauensperson aus deinem Umfeld oder deinen Hausarzt wenden. Dieser leitet dich an entsprechende Psychologen und Psychotherapeuten weiter. Benötigst du kurzfristig Hilfe, gibt es in sehr vielen Städten Beratungsstellen, an die du dich wenden kannst.

Körperliche Erkrankungen

Auch körperliche Erkrankungen können Einsamkeit auslösen. Hiermit sind jedoch nicht die Krankheiten gemeint, die aufgrund verschiedenster körperlicher Einschränkungen einen Rückzug aus der Gesellschaft bedingen. Eine stark einsame Gefühlslage kann also auch ein Frühwarnsystem für gesundheitliche Probleme sein.

Schicksalsschläge und erschwerte Lebensumstände

Auch schwere traumatische Erfahrungen sowie starke oder dauerhafte Stresszustände tragen zur Entstehung von Einsamkeit bei. Dabei ist das Empfinden eines jeden Menschen individuell und sollte immer ernst genommen werden. Beispiele für situative Auslöser von Einsamkeit sind:

  • Arbeitslosigkeit oder Renteneintritt:

Mit dem Wegfall des Arbeitsplatzes geht auch ein Fehlen sozialer Kontakte mit Kollegen sowie eines strukturierten Tagesablaufes einher. Zudem müssen auch finanzielle Einschränkungen verkraftet werden. Ein geminderter Selbstwert und ein Rückzug aus der Gesellschaft können folgen und das Gefühl der Einsamkeit auslösen.

  • Schwierige Lebensphasen:

Kritische Zeiten, die auch deine psychische Gesundheit beeinträchtigen, sind beispielsweise die Pubertät, die Trennung innerhalb einer Beziehung, der Verlust von Familie oder Freunden, die Angst vorm Altern sowie der Wechsel von Wohnort oder Arbeitsplatz.

  • Status Einzelkind:

Mit dem Geschwisterkind zu spielen ist ein Luxus, den Einzelkinder häufig schmerzlich vermissen. Kommen lieblose oder häufig abwesende Eltern hinzu, vereinsamen Kinder schnell. Auch Kindergarten, Schule oder Vereine können die klaffende Lücke häufig nicht schließen. - Einsamkeit entsteht.

  • Schlechte oder traumatische Erfahrungen:

Einsamkeit ist nicht selten ein vom Gehirn ausgelöster Selbstschutz. Schlechte Erfahrungen mit vermeintlich nahestehenden Menschen, Mobbing, sexueller Belästigung oder weiteren Ausgrenzungserfahrungen können Menschen dazu bewegen, sich zurückzuziehen. Diese soziale Abgrenzung begünstigt folglich ein starkes Gefühl von Einsamkeit.

  • Einpersonenhaushalte:

Die erste eigene Wohnung klingt für viele junge Menschen wie der Traum schlechthin. Doch genau dieser schlägt für viele Menschen in jeder Altersklasse in einen regelrechten Albtraum um. Einpersonenhaushalte sind ruhig, anonym und können sehr schnell einsam werden. Auch andere psychische Erkrankungen, wie Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen gehen mit dem einsamen Wohnen einher.

  • Alterung der Gesellschaft:

Menschen werden heutzutage immer älter. Das große Glück, geliebte Familienmitglieder länger um sich zu haben, hat jedoch auch eine Schattenseite. Ältere Menschen sind oft nicht ausreichend in das Familienleben eingebunden und fühlen sich so schnell nutzlos, ungeliebt und einsam. Kleine Gesten oder kurze Treffen können hier bereits Abhilfe schaffen.

  • Besondere Umstände

Ein großer Begünstigter von Einsamkeit ist die derzeitig vorherrschende Corona-Krise. Soziale Kontakte werden auf das Minimum reduziert, Veranstaltungen werden abgesagt und sogar Selbsthilfegruppen finden nicht oder nur per Videokonferenz statt. Situationen wie diese verstärken zusätzlich das Empfinden von Einsamkeit.

Symptome: Wie sich Einsamkeit bemerkbar macht

Um die Symptomatik von Einsamkeit zu verstehen, sollte zuerst versucht werden, die Gedanken und Gefühle von einsamen Menschen nachzuvollziehen. Denn diese fühlen sich nicht nur allein. Hinter Einsamkeit stecken weitaus größere und komplexere Strukturen, als so mancher vermuten mag.

Wer sich einsam fühlt, hat häufig immens große Erwartungen an sich selbst. Im Kampf mit dem eigenen Perfektionismus vergleichen sich Betroffene mit anderen, wobei diese immer besser, schöner, klüger, erfolgreicher oder beliebter sind als die eigene Person. - Der eigene Selbstwert wird so konstant abgebaut. Das dadurch entstehende Minderwertigkeitsgefühl führt zu einer großen Unzufriedenheit und einer Leere, die die Lebensqualität enorm beeinträchtigen kann. Das Gefühl, nicht liebenswert zu sein, schadet zudem nicht selten den zwischenmenschlichen Beziehungen von Betroffenen. Freundschaften, Partnerschaften und sogar familiäre Bindungen können dadurch zerstört werden.

Typische Symptome von Einsamkeit können beispielsweise sein:

  • Müdigkeit oder Erschöpfung
  • Schlafstörungen
  • Gefühl innerer Leere
  • Nervosität, Anspannung oder schnelle Reizbarkeit
  • Herzrasen
  • Schwindel
  • sozialer Rückzug
  • Niedergeschlagenheit oder Depression
  • Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit
  • Gedanken an den Tod

Diese Symptome stehen häufig in Verbindung mit den folgenden Gedankengängen und Verhaltensweisen:

  • Angst, nicht gebraucht oder gemocht zu werden
  • Gefühl, wertlos zu sein
  • verzerrtes Selbstbild sowie Wahrnehmung anderer
  • hohes Maß an Selbstkritik
  • Misserfolge zählen mehr als Erfolge
  • Angst, zurückgewiesen zu werden
  • übermäßige Anpassung an andere Personen oder Gruppen
  • introvertiertes Verhalten oder gering ausgeprägte soziale Fertigkeiten
  • pessimistische oder handlungslähmende Gedankengänge oder Grundhaltungen

Wie erkenne ich, dass ich einsam bin?

Über die körperlichen und psychischen Symptome der Einsamkeit hinaus, weisen betroffene häufig ähnliche Denkensweisen auf. Gedanken wie “Ich bin anders als die Menschen um mich herum.”, “Ich gehöre nicht hierher.”, “Ich habe keine Verbindung zu den anderen. Die anderen mögen mich nicht.” oder “Ich fühle mich hier nicht wohl/ nicht zuhause.” deuten auf eine emotionale Abgrenzung und damit auf ein Gefühl von Einsamkeit hin.

Zudem denken viele Betroffene, dass sie nur mit einem Partner glücklich sein können. Sie sind stark auf Lob, Anerkennung und Zuspruch anderer Personen angewiesen und reagieren empfindlich auf gegenteilige Interaktionen. Während andere Personen oder Gruppen als besonders fröhlich und zusammengehörig wahrgenommen werden, dominieren negative Gedanken die eigene Gefühlswelt. Die Frage “Warum sind andere glücklich und ich nicht?” tritt auf.

Chronische Einsamkeit

Einsamkeit kann sowohl in seiner Intensität als auch in seiner Dauer von Person zu Person variieren. Während sich einige Betroffene nur innerhalb einer bestimmten Lebensphase einsam fühlen, leiden andere dauerhaft und unabhängig ihrer Lebensumstände unter dem erdrückenden Gefühl der Einsamkeit. Sie resignieren und verbleiben in der Hoffnungslosigkeit. Dieses Stadium wird auch als chronische Einsamkeit bezeichnet. Doch chronisch bedeutet in diesem Fall nicht unbehandelbar - Auch Menschen mit einer chronischen Einsamkeit können geheilt werden.

Hilfe: So bekämpfst du die Einsamkeit

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Vielen, unter Einsamkeit leidenden Menschen, fällt es schwer, ihre schmerzende Abgeschiedenheit selbstständig zu überwinden. Die folgenden Tipps können Betroffenen helfen, das Alleinsein und die damit verbundene Einsamkeit zu lindern oder sogar zu überwinden.

  1. Behandle dich selbst gut

 

Wer Dinge meidet, da sie nur für die eigene Person wären, der sollte dieses Verhalten gezielt stoppen. Du bist es wert, allein für dich zu kochen oder eine schöne Zeit bei einem Spaziergang, im Kino und Co. zu haben. Ausreichend frische Luft, wohltuende Körperpflege und ein klein wenig Luxus können dir helfen, dich selbst mehr zu schätzen. Allein zu sein, muss nicht zwangsläufig in Einsamkeit enden. Welches Buch wolltest du schon lange lesen? Welches Instrument spielen? Welchen Sport treiben? Oder welchen Film sehen? Lebe deine Interessen und Hobbys aus und sorge mit ein bisschen Selbstfürsorge für neu gewonnene Lebensfreude.

 

  1. Gib deinem Leben einen Sinn

 

Vor allem für Menschen, die sich nutzlos und nicht gebraucht fühlen, ist dieser Tipp gegen die Einsamkeit besonders wichtig. Suche dir eine Tätigkeit, die die Spaß macht und die dir das Gefühl gibt, gebraucht zu werden. Ehrenamtliche Tätigkeiten wie die Hilfe bei der Tafel oder in einem Tierheim sind enorm wichtig für die Gesellschaft und binden dich zudem in ein Team ein, welches ähnliche Interessen vertritt wie du. Auch viele Vereine sind dankbar über jeden freiwilligen Helfer.

 

Wer es trotz ausgeprägter Einsamkeit schafft, die Verantwortung für jemand anderen zu übernehmen, kann auch über die Anschaffung eines Haustieres nachdenken. Die Pflege sowie der intensive Kontakt mit einem Haustier können helfen gegen die Einsamkeit anzukämpfen. Diese Option sollte jedoch nur genutzt werden, wenn ausreichend Zeit und Geld vorhanden sind, um ein Tier artgerecht und liebevoll halten zu können.

 

  • Bring Struktur in dein Leben

Ohne tägliche Verpflichtungen können sich die Stunden endlos in die Länge ziehen. - Viel Zeit zum Grübeln und traurig sein. Ein detaillierter Tages- und Wochenplan hilft dabei, nicht in der Einsamkeit zu versinken, sondern die eigene Zeit bestmöglich zu gestalten. Natürlich ist es eine Überwindung - aber versuche, dich trotz aller Schwierigkeiten an deine neu gewonnene Struktur zu halten.

  • Baue langsam Kontakt zu anderen Menschen auf

Dieser Tipp ist der wohl schwerste Schritt für viele Betroffene. Den Kontakt mit Menschen wieder aufzunehmen ist aber ebenso wichtig, wir fordernd. Für einen angenehmeren Start kannst du damit beginnen, ein nettes Lächeln oder ein kurzes Gespräch mit Nachbarn, deinem Friseur, der Verkäuferin auf deiner Shoppingtour oder dem Postboten auszutauschen beziehungsweise zu führen.

Werden kleine Unterhaltungen alltäglich, kannst du dazu übergehen, dich an Vereine oder weitere Kurse heranzuwagen. Ob Fitnessstudio, Kochkurs oder Tanzverein - nette Leute warten überall und sind für ein freundliches Gespräch offen. Lass dich dabei aber nicht von Niederlagen abschrecken. Einige Menschen sind ebenso schüchtern oder haben andere Gründe, warum ein Gespräch nicht zustande kommt. Abweisendes Verhalten anderer ist nicht persönlich gegen dich gerichtet.

Häufig ergeben sich aus flüchtigen Bekanntschaften in Vereinen und Co. Freundschaften, die auch in Treffen außerhalb des eigentlichen Hobbys stattfinden. Wer sicher genug ist, kann den neu gewonnenen Freund bitten, weitere Bekannte einzuladen. So erweitert sich dein Freundeskreis auf eine ungezwungene Weise.

Wichtig ist: Soziale Medien sind vielleicht besser als eine völlige soziale Isolation - sie ersetzen jedoch keine “echten” menschlichen Kontakte. Wer die Möglichkeit eines Treffens in der Realität hat, sollte dies immer einem virtuellen Kontakt vorziehen.

  • Hol dir Hilfe

Ein weiterer völlig legitimer Weg ist es, sich Hilfe zu holen. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, die dir eine erste Anlaufstelle bieten. Möchtest du dich niemandem in deinem Umfeld anvertrauen, kann beispielsweise die Telefonseelsorge für dich da sein. Auch Selbsthilfegruppen sind eine gute Alternative, um aus den Erfahrungen anderer und einer professionellen Meinung eigene Wege aus der Einsamkeit zu finden. Hier begegnest du sogar Menschen, die ein ähnliches Problem haben wie du. - Eine Gemeinsamkeit, die zusammenschweißt.

Natürlich erhältst du zudem auch professionelle Hilfe von einem Psychiater oder Psychologen. Dieser Weg steht dir immer offen und kann dir helfen, deine Einsamkeit zu überwinden.

Einsamkeit im Alter überwinden

Besonders ältere Menschen sind von Einsamkeit betroffen. Freunde, Bekannte und sogar Familienmitglieder in ähnlichem Alter sterben und lassen das soziale Umfeld der Betroffenen immer weiter schrumpfen. Die Jugend sieht häufig kaum einen Mehrwert im Kontakt mit Älteren. Auch Krankheiten sowie eine eingeschränkte Mobilität unterstützen die Entstehung von Einsamkeit. Doch trotz der einen oder anderen Schwierigkeit, können auch Menschen im fortgeschrittenen Alter neue Kontakte knüpfen sowie bestehende Kontakte vertiefen.

Um im ersten Schritt mehr Kontakt mit jüngeren Familienmitgliedern pflegen zu können, schaffen Chatgruppen oder soziale Netzwerke Abhilfe. Aus den Kurznachrichten können schnell ganze Konversationen oder sogar Videoanrufe entstehen. Darüber hinaus ist natürlich auch der direkte Kontakt mit Menschen wichtig. Je nach körperlicher Fitness können Betroffene neue Hobbies finden oder alte Leidenschaften aufleben lassen. Vereine, Wandergruppen, Seniorentreffs der Gemeinde oder sogar ein Studium oder Sprachkurs im Alter helfen im Kampf gegen die Einsamkeit.

Wer noch so richtig fit ist, kann auch über die Anschaffung eines Haustieres nachdenken. Hier aber bitte auf ausreichend freie Zeit und finanzielle Mittel achten, um den tierischen Freund auch angemessen halten zu können. Viele Ehrenämter sind zudem wie gemacht für Menschen im fortgeschrittenen Alter. Ob als helfende Hand bei der Telefonseelsorge, als Vorleser in einer Bücherei, als Besucher von Patienten im Krankenhaus oder als Leihoma oder Leihopa bist vielleicht genau du gefragt.

Tipp: Für einen leichten Start tut es auch ein Spaziergang in Gesellschaft. Frag doch einfach mal einen deiner netten Nachbarn, ob Lust für einen gemeinsamen Spaziergang besteht.

Was andere für einsame Menschen tun können

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Wichtig für Menschen im Umgang mit Einsamen ist vor allem eines: Betroffene stoßen die Menschen in ihrer Umgebung nicht absichtlich von sich weg. Diese Handlung ist über viele Jahre und durch verschiedene äußere Einflüsse als Schutzmechanismus erlernt worden. Hier ist vielmehr das Gegenteil der Fall. Ein starkes Einsamkeitsgefühl kann für Betroffene genauso schmerzhaft werden, wie eine ernst zunehmende körperliche Erkrankung.

So abgekapselt wie Betroffene auch wirken mögen, diesen Menschen fehlen Sympathie, Liebe und Freundschaft. Geduld und Liebe sind hier die Lösung, um einsame Menschen langsam Vertrauen fassen zu lassen und eine stabile Beziehung zu ihnen aufbauen zu können.

Nicht jeder alleinstehende oder alleinlebende Mensch ist einsam. Sollten jedoch Warnsignale, wie das Klagen über Einsamkeit oder der Rückzug aus der Gesellschaft auftreten, ist ein Handeln nötig. Nimm dir Zeit für die betroffene Person, sei für sie da und gib in einem für dich angenehmen Maße Liebe, Sympathie und Wertschätzung. So hast du die Chance, Betroffene vor einer sich häufig anschließenden Depression zu bewahren.

Auch bei einer großen Distanz zwischen dir und einem unter Einsamkeit leidenden Menschen kannst du einiges tun, um zu helfen. Signalisiere dem Betroffenen idealerweise täglich, dass er oder sie nicht alleine ist. Anrufe, Unterhaltungen über die sozialen Medien oder Videocalls können hier mögliche Wege sein. Auch eine Postkarte oder ein Brief bewirken wahre Wunder.

Wer selbst nicht die Zeit oder Kraft hat, sich in diesem Maße um einen einsamen Menschen zu kümmern, kann auch einen Besuchsdienst engagieren. Dieser ersetzt in keinster Weise den gelegentlichen Kontakt, der zwischen dir und dem nahestehenden Betroffenen stattfinden sollte, hilft jedoch, vor einer möglichen Verwahrlosung oder Depression zu schützen. Sie leisten Gesellschaft, hören zu und helfen bei der Planung weiterer Dienstleistungen sowie Pflegeleistungen.

Kann Einsamkeit krankmachen?

Wer einsam ist, fühlt sich zweifelsohne krank. Müdigkeit und Kraftlosigkeit schwächen den Körper und erschweren einen geregelten Alltag. Doch kann Einsamkeit wirklich krankmachen? Natürlich ist eine Antwort auf diese Frage stark von der einzelnen Person abhängig. Allgemein gilt jedoch: Betroffene von chronischer Einsamkeit haben ein erhöhtes Risiko für die folgenden Erkrankungen:

  • Schlafstörungen
  • Depressionen
  • chronischer Stress
  • Angststörungen und Zwangsstörungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Suizidgedanken
  • Demenz

Hinzu kommt die Tatsache, dass von Einsamkeit geplagte Menschen häufig weniger auf sich und ihren Körper achten. Dadurch kann sich ein gesundheitsschädlicher Lebensstil entwickeln und zu weiteren Krankheiten führen. Eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und der Verzicht auf Suchtmittel sollten trotz der Einsamkeit verfolgt werden. - Jeder Mensch ist es wert, gesund zu sein!

Besondere Vorsicht ist bei Kindern, älteren Menschen und Menschen mit Behinderung geboten. Diese können nicht in vollem Maße für sich sorgen und müssen trotz der eigenen Einsamkeit oder der Einsamkeit ihrer Pflegepersonen angemessen versorgt werden. Ist dies nicht der Fall, können lebensbedrohliche Pflegemangelzustände entstehen.

Arztbesuch bei Einsamkeit

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Einsamkeit ist häufig nicht nur eine kurzfristige Laune, sondern ein ernstzunehmender Zustand von Betroffenen. Wer bereits tief in den eigenen einsamen Gefühlen und Gedanken feststeckt, kann sich von einem Arzt helfen lassen. Aber ab wann ist der Gang zum Arzt sinnvoll oder sogar nötig? Und was kann dieser tun, um zu helfen? Die Antwort auf deine Fragen haben wir für dich zusammengefasst.

Wann sollte ich zum Arzt?

Eine Regel, ab welchem Zeitpunkt der Besuch eines Arztes sinnvoll oder sogar nötig ist, gibt es nicht. Grundsätzlich solltest du immer dann ärztliche Hilfe aufsuchen, wenn die Einsamkeit deine Lebensqualität einschränkt und du selbstständig keinen Ausweg findest. Hier kann ein ausgebildeter Psychiater oder Psychologe helfen, das Problem zu benennen und an dich angepasste Lösungswege zu definieren.

Wer hingegen an Suizidgedanken oder weiteren schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen infolge der Einsamkeit leidet, der sollte umgehend einen Arzt kontaktieren. Dabei ist es nicht schlimm, wenn du keinen geeigneten Psychiater oder Psychologen kennst. Sprich in diesem Fall einfach mit dem Hausarzt deines Vertrauens. Dieser kann dich beraten und dir den Kontakt zu einer geeigneten Anlaufstelle geben.

Was kann der Arzt tun?

Um dir wirklich helfen zu können, erfasst der Arzt zunächst das Ausmaß deiner erlebten Einsamkeit. Dies geschieht mithilfe eines Fragebogens, den du selbst ausfüllen kannst. Mögliche Fragebögen sind der LONE (Fragebogen zur Sozialen Beziehung, deutsche Version), die KSE (Kölner Skala zur Messung von Einsamkeit) sowie die UCLA (University of California at Los Angeles Loneliness Scale).

Durch die von dir gegebenen Antworten kann der behandelnde Arzt im Anschluss eine Einschätzung über deine sozialen Beziehungen erhalten. Auf Basis dessen kann dieser dann individuell an dich angepasste Lösungswege finden und dich mit gezielten Maßnahmen und Hilfestellungen in deinem Prozess unterstützen.

Auch eine gemeinsame Therapie über einen längeren Zeitraum kann aufgrund deiner Einsamkeit sinnvoll sein. Gemeinsam mit deinem Therapeuten oder einem anderen professionellen Begleiter wirst du langsam an soziale Kontakte herangeführt, lernst, deine eigenen Handlungen und Gedanken zu reflektieren, deinen Tag zu strukturieren und vieles mehr.

Treten neben deiner Einsamkeit bereits weitere psychische Erkrankungen wie Angst- und Zwangsstörungen oder Depressionen auf, kann ein Arzt dir auch geeignete Medikamente verschreiben. Antidepressiva und Co. lösen zwar nicht deine Einsamkeit, unterstützen dich aber im ersten Schritt, um mehr Lebensqualität und Selbstliebe zu erhalten, sowie positiver auf andere Menschen zugehen zu können.

Prävention: Einsamkeit gezielt vorbeugen

Wer von sich selbst weiß, dass eine auftretende Einsamkeit in greifbare Nähe rückt, der kann schon vorher etwas an seiner Situation ändern, um der Vereinsamung entgegenzuwirken. Kümmere dich also intensiv um soziale Kontakte. Dabei sind sowohl dein liebendes familiäres Umfeld, als auch Freunde, Bekannte und gänzlich neue Kontakte gemeint. Wichtig ist hier vor allem die Mischung aus Familie und Freunden, denn immer wieder kommt es vor, dass Beziehungen in die Brüche gehen. Breit aufgestellt, hast du dennoch jederzeit vertraute Menschen um dich herum.