Exklusivität, wie man heutzutage das Wort Beziehungen umschreibt, macht vielen Angst. Aber warum ist das so?  Liegt es an uns oder an dem großen Angebot von Social Media oder Dating-Apps jemanden kennenzulernen?

Bestsellerautor Michael Nast hält die jungen Menschen für beziehungsunfähig. Und sein Erfolg gibt ihm Recht: über 100.000 verkaufte Exemplare. Die Angst etwas verpassen zu können und die ständige Suche nach etwas Besserem, würde uns zur Generation voller beziehungsunfähiger Menschen machen.

Der oder die einst noch so erstrebenswerte Richtige ist auf einmal gar nicht mehr so erstrebenswert. Denn dafür müsste man ja auch Kompromisse eingehen, zumindest ab und zu.

Für viele ist das schon ein zu großer Einschnitt in ihr Freiheitsbedürfnis. Und warum ein Stück der so geliebten Freiheit aufgeben, wenn man einfach nur nach rechts weiterwischen muss. Da wartet schon jemand anderes, vielleicht nicht Besseres, aber irgendjemand wird da schon sein.

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Doch liegt das wirklich an uns selbst? Sind wir zu selbstverliebt oder viel zu sehr mit unserer Selbstoptimierung beschäftigt? Nein, sagt Psychotherapeutin Stefanie Stahl.

Jeder ist beziehungsfähig, meint die Expertin in Sachen Bindungsangst. Nur die Zeit, in der wir leben begünstigt unsere Bindungsängste. Und Bindungsphobiker waren schon immer da. Die Forschung gehe davon aus, dass 30 bis 40 Prozent der Menschen einen eher „unsicheren Lebensstil“ haben, so die Expertin.

Bindungsphobiker haben oft ein zu geringes Selbstwertgefühl und suchen immer nach Schwächen, nicht nur bei sich selbst. Sie picken sie regelrecht heraus. Auch verbindlich sein zu müssen, bedeutet für sie puren Stress. Gemeinsamer Urlaub oder Netflix and Chill? Beides gleicht einer Qual.

Natürlich sind dann Tinder, Lovoo & Co. ein schneller Ausweg. Noch nie war es so einfach, jemanden so leicht kennenzulernen, wie jetzt. Laut einer Erhebung von Stiftung Warentest sollen knapp sieben Millionen Singles in Deutschland so auf der Suche nach einer ernsthaften Beziehung sein.

Zeit aufzuatmen. Es liegt nicht an uns. Nicht wir sind Beziehungsunfähig. Die Zeit ist es.