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Diagnose Zöliakie: Was Betroffene beachten sollten

23.11.2021 • 14:25

Einer von Hundert Menschen in Deutschland leidet unter Zöliakie. Das sind die gängigsten Symptome und diese Lebensmittel gilt es mit der Autoimmunerkrankung zu vermeiden.

Zöliakie: Was es bedeutet, kein Gluten zu vertragen

Zöliakie ist sowohl eine Allergie als auch eine Autoimmunkrankheit, die durch das sogenannte Klebereiweiß Gluten ausgelöst wird. Gluten findet sich in allen Getreidesorten – von Weizen, Gerste über Dinkel bis Roggen – und sorgt für eine dauerhafte Entzündung im Darm. Durch die Entzündungsprozesse kann es in der Darmschleimwand zu Einblutungen kommen und zum Abflachen der Darmzotten.

Zotten nennt man die blatt- bis fingerförmigen Ausstülpungen der Darmschleimwand. Sie sind unerlässlich zur Aufnahme der Nährstoffe, die unseren Verdauungsapparat passieren. Flachen sie ab, gelangen lebenswichtige Nährstoffe wie Vitamine, Eisen und Ballaststoffe nicht mehr in unseren Körper und werden ungenutzt ausgeschieden.

Wie merkt man, dass man Zöliakie hat?

Nicht immer spüren die Betroffenen selbst, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Manchmal sind es auch äußere Merkmale, die zum Beispiel dem Arzt auffallen. Sind körperliche Symptome vorhanden, nennen Betroffene meist Folgende:

  • Bauchschmerzen
  • Blähungen beziehungsweise Blähbauch
  • Durchfall oder übelriechender Stuhl
  • Übelkeit und teilweise auch Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Müdigkeit
  • Schlafprobleme
  • Gereiztheit
  • starke Stimmungsschwankungen
Was sind die Folgen einer unerkannten Zöliakie?

Die Folgen einer nicht erkannten oder diagnostizierten Zöliakie sind zum Teil dramatisch und nicht zu unterschätzen. Gerade bei einer unerkannten Zöliakie im Kindesalter kommt es meist zu einer schlechten körperlichen Entwicklung. Die Kinder sind oft kleiner als Gleichaltrige, auffallend dünn und blass. Bei manchen Betroffenen fällt auch auf, dass ihre Arme und Beine sehr mager sind, der Bauch aber häufig extrem aufgebläht.

Die Wachstums- und Entwicklungsstörungen können bei Kindern zur Unfruchtbarkeit führen. Im schlimmsten Fall entwickelt sich aus der anhaltenden Entzündung im Darm später Darmkrebs. Außerdem besteht die Gefahr, dass durch die Entzündung im Darm auch die Magenschleimhaut und die Speiseröhre Schaden nehmen.

Was kann man gegen Zöliakie tun?

Es gibt zurzeit keine Heilungsmethoden für Zöliakie und auch keine Medikamente, die die Symptome lindern könnten. Der einzige Weg, nach aktuellem Stand, ist eine lebenslange strikt glutenfreie Ernährung.

Da sich Gluten in allen Getreidesorten versteckt, sind sämtliche Backwaren wie Brot, Kuchen, Nudeln, Pizza, Eiswaffeln etc. tabu. Wichtig zu wissen ist, dass auch schon kleinste Spuren von Gluten ausreichen, um eine Entzündung auszulösen. Wenn man einmal darauf achtet, findet man auf diversen Lebensmittelverpackungen den Hinweis "kann Spuren von Gluten enthalten" oder "Spuren von glutenhaltigem Getreide".

In vielen Produkten ist außerdem Weizenstärke enthalten. Dazu gehören: Speiseeis, Gummibären und ähnliche Süßigkeiten, Fertiggerichte, Sojasoße, Schokolade, Kakaopulver, Backpulver und vieles mehr.

Meist genügt es auch schon, dass die Lebensmittel in der gleichen Produktionsstätte hergestellt oder abgepackt worden sind, in der auch glutenhaltige Produkte verarbeitet werden. Es klingt übertrieben, ist es aber nicht.

Glutenfreie Alternativen zu herkömmlichem Getreide

Zum Glück gibt es inzwischen immer mehr und bessere Alternativen, wodurch man nicht auf eine ausgewogene Ernährung verzichten muss. Eine Ernährung, die noch dazu Spaß macht und schmeckt. Mehl aus Kartoffelstärke, Mais oder Reis funktioniert zum Beispiel sehr gut zum Backen von Brot, Kuchen und auch Pfannkuchen oder Waffeln.

Mehl aus Hülsenfrüchten wie Linsen und Lupinen ist zudem sehr ballaststoffreich. Viele Nährstoffe bietet auch Mehl aus Mandeln oder Kokos. Man muss einfach vieles ausprobieren, um zu sehen, was einem schmeckt und welches Mehl für welches Rezept am besten geeignet ist.

Hafer ist eigentlich glutenfrei, aber…

Hafer ist grundsätzlich glutenfrei aber immer mit Spuren von glutenhaltigem Getreide belastet. Alleine durch den Anbau, die Nutzung der Erntemaschinen und Mühlen bleibt eine Kontamination nicht aus. Einzig ausdrücklich als "glutenfrei" gekennzeichneter Hafer darf von "Zölis", wie sich die Betroffenen oft selbst nennen, verzehrt werden. Betroffene sollten nach der Diagnose allerdings für einen Zeitraum von etwa sechs Monaten auch auf glutenfreien Hafer verzichten. Sind die Werte dann im Normalbereich, kann man ausprobieren, ob er einem bekommt.

Gluten sitzt in den kleinsten Ritzen

Viele Betroffene finden es einfacher, selbst zu kochen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass natürlich auch in der eigenen Küche keinerlei Spuren von Gluten mit dem glutenfreien Essen in Kontakt kommen dürfen. Das heißt:

  • separate Toaster oder konsequent sogenannte "Toasterbags" verwenden
  • Backofen gründlich reinigen und nur noch mit "Ober- und Unterhitze" verwenden. "Umluft" würde immer noch Reste von Gluten aufwirbeln
  • Separates Rührgerät, Handmixer etc. verwenden (es gelangen immer Spuren von Mehl ins Gehäuseinnere, die teils herausrieseln)
  • separates Schneidebrett nutzen

Außerdem müssen Betroffene strikt darauf achten, dass keine Krümel in der Butter, der Marmelade, dem Schokoaufstrich und Co. landen. Am besten auch hier separate Produkte verwenden. Manche gehen gleich dazu über, keinerlei glutenhaltige Produkte mehr in der eigenen Küche zu nutzen.

Glutenfrei essen im Restaurant

Mit Restaurantküchen ist es wie mit der eigenen Küche zu Hause. Es wimmelt nur so von Spuren von glutenhaltigem Getreide. Kaum eine Küche kann garantieren, dass das Essen nicht kontaminiert ist. Nicht einmal, wenn man bloß eine Tomatensuppe und einen grünen Salat bestellt. Allerdings gibt es inzwischen immer mehr Cafés und Restaurants, die komplett glutenfrei sind.

Ist eine glutenfreie Ernährung für alle sinnvoll?

Ärzte warnen davor, aus Lifestyle-Gründen auf Gluten zu verzichten. Mit der glutenfreien Ernährung ist es nicht wie mit der vegetarischen oder veganen Ernährung. Man tut weder sich noch der Umwelt einen Gefallen, wenn man ohne Grund darauf verzichtet.

Manche Studien lassen vermuten, dass bis dahin gesunde Menschen eine Intoleranz gegenüber Gluten entwickeln, wenn sie freiwillig darauf verzichten. Eine hausgemachte Zöliakie ist aber sicher das letzte, was ernährungsbewusste Menschen herbeiführen wollen.

Einige haben allerdings tatsächlich eine sogenannte Gluten-Sensitivität. Das heißt, sie reagieren zum Beispiel mit Müdigkeit und Bauchschmerzen auf das Klebereiweiß im Essen, ohne an Zöliakie zu leiden. Dann macht es Sinn, eine Weile darauf zu verzichten um zu sehen, ob eine Besserung eintritt. Allerdings muss dann nicht so streng, wie bei einer Zöliakie, auch auf kleinste Spuren von Gluten geachtet werden.

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