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Überempfindlichkeit: Forscher klären Ursache von Neuropathie

31.05.2022 • 11:04

Viele Menschen leiden infolge eine Nervenverletzung schon bei kleinsten Berührungen unter entsetzlichen Schmerzen. Mediziner konnten nun entschlüsseln, wie es zu diesem Phänomen kommt.

Überempfindlichkeit: Forscher klären Ursache von Neuropathie

Das menschliche Nervensystem ist komplex – genauso wie das Krankheitsbild der Neuropathie. Dabei handelt es sich um eine Überempfindlichkeit von Körperarealen, bei denen selbst kleinere Berührungen starke Schmerzen auslösen. Ausgelöst wird die Neuropathie meistens nur eine Verletzung, bei der periphere Nerven durchtrennt oder geschädigt worden sind. Die unmittelbare Folge ist meist eine Taubheit des betroffenen Bereichs – bis dann plötzlich das Gefühl zurückkehrt, oft gepaart mit chronischem Schmerz. Doch warum ist das so? Was die neuropathischen Schmerzen verursacht, war bisher erst in Teilen geklärt.

Schmerzleitende Nervenfasern beherrschen Trick, den andere Nervenfasern nicht kennen

Forscher:innen der Universität Heidelberg sind nun neue Erkenntnisse gelungen. In einer Studie fügten sie Mäusen zunächst eine Nervenverletzung am Schienbein zu. Wie erwartet schlug die zunächst eingekehrte Taubheit nach circa 20 Wochen in eine Überempfindlichkeit um. Anhand verschiedener Biomarker und mithilfe mikroskopischer Verfahren stellten die Forschenden fest: Während die Regeneration der schmerzleitenden Nervenfasern extrem schnell von statten ging und diese zeitnah in das Wundgebiet vordrangen und dort neue, dichte Nervengeflechte bildeten, war dieser Prozess bei den taktilen Nervenfasern sehr viel langsamer. Diese tastreiz-leitenden Fasern generierten sich so gut wie gar nicht. Der Grund? Die schmerzleitenden Fasern wuchsen entlang der Blutgefäße und nutzten die Adern als Baugerüst – eine Fähigkeit, die die taktilen Nervenfasern den Beobachtungen zufolge nicht besitzen.

Neue Erkenntnisse sind Durchbruch in der Neuropathie-Forschung

Zudem wuchsen die schmerzleitenden Fasern auch in die sogenannten Meißnerschen Körperchen ein – die Sensorpapillen in der Haut, die für Tastreize zuständig sind. Dort besetzten sie den Platz der sehr viel langsamer nachwachsenden taktilen Nervenfasern. "Unsere Ergebnisse beantworten die seit Langem offene Frage, wie es zu den komplexen neuropathischen Schmerzen von Patienten beispielsweise nach Nervenquetschungen kommt", so Rohini Kuner, Seniorautorin der bei "Nature" erschienenen Studie.

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