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Die angespannte Lage zwischen militanten Palästinensern im Gazastreifen und Israel spitzt sich erneut zu. Als Reaktion auf Beschuss aus dem Küstengebiet griff die israelische Luftwaffe in der Nacht zum Donnerstag Ziele der radikalislamischen Hamas an. Dabei wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums eine schwangere Frau und ihre 18 Monate alte Tochter getötet sowie ein Mitglied des militanten Arms der Hamas. Neun weitere Palästinenser seien verletzt worden.

Die israelische Armee zählte bis Donnerstagmorgen rund 150 Raketen, die aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert wurden. Sieben Israelis seien dabei verletzt worden. Das israelische Sicherheitskabinett wurde nach Medienberichten für den Nachmittag zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen.

25 palästinensische Raketen wurden abgefangen, die meisten schlugen auf freiem Gelände ein, wie die Armee mitteilte. Sie attackierte nach eigenen Angaben daraufhin mehr als 140 Ziele im Gazastreifen - unter anderem Trainingscamps, Lagerstätten und eine Waffenfabrik.

"Wir haben (...) nur militärische Ziele angegriffen, die eindeutig von der Hamas genutzt wurden", sagte Armeesprecher Jonathan Conricus. "Wir sehen, dass die Hamas diese letzte Runde der Gewalt begonnen hat."

Die Lage beruhige sich nach derzeitigem Stand zunächst nicht. "Wir sehen, dass die Hamas in der vergangenen halben Stunde ziemlich umfassend geschossen hat." Die Truppen im Süden des Landes würden verstärkt, sagte Conricus am Donnerstagmorgen.

UN besorgt

Der UN-Nahostgesandte Nikolay Mladenov zeigte sich "alarmiert über die jüngste Eskalation der Gewalt zwischen Gaza und Israel". Er rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf und warnte vor einer weiteren Zuspitzung der Situation.

Israelische Medien berichteten am Donnerstag von Verhandlungen über eine langfristige Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas unter ägyptischer Vermittlung. Die Hamas hatte am Montag Gespräche mit Ägypten über eine Waffenruhe bestätigt. Von Israel gab es dafür keine offizielle Bestätigung.

Seit Ende März sind bei Protesten und Zusammenstößen nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza mehr als 160 Palästinenser von israelischen Soldaten getötet worden. Ein israelischer Soldat wurde erschossen.

Die Palästinenser fordern ein Ende der Gaza-Blockade und ein Recht auf Rückkehr in ihre frühere Heimat oder die ihrer Eltern und Großeltern. Diese Dörfer oder Städte gehören heute zum israelischen Staatsgebiet. Sie beziehen sich dabei auf Flucht und Vertreibung Hunderttausender Menschen im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948. Israel lehnt die Forderungen ab.

Seit Langem kritisieren Menschenrechtsorganisationen, die Lebensumstände der rund zwei Millionen Einwohner in dem Küstengebiet seien unerträglich. Sie leiden unter massiven Stromausfällen, verdrecktem Grundwasser und hoher Arbeitslosigkeit.

Die radikalislamische Hamas wird von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahne geschrieben.