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Tabellenführer in der Bundesliga, Spitzenreiter in der Champions League: Borussia Dortmund hat auch die erste echte Reifeprüfung der Saison mit Bravour gemeistert. Beim berauschenden 4:0 (1:0) über das europäische Schwergewicht Atlético Madrid bewies das junge und seit nunmehr zwölf Pflichtspielen ungeschlagene Team von Trainer Lucien Favre am Mittwochabend erstaunliche Reife. Dank der Treffer von Axel Witsel (38. Minute), Raphael Guerreiro (73./89.) und Jadon Sancho (83.) vor 66 099 Zuschauern im Signal Iduna Park gelang der dritte Sieg im dritten Spiel der Gruppe A. Damit ist der Einzug ins Achtelfinale der Königsklasse mit der imposanten Bilanz von neun Punkten und 8:0 Toren zum Greifen nahe.

"Ein 4:0 haben wir sicher nicht erwartet. Wie wir unsere Tore gemacht haben, spricht für die Mannschaft und unseren Lauf. Es zeigt, dass wir auf einem richtig guten Weg sind", sagte Sebastian Kehl, der Leiter der Lizenzspielerabteilung der Dortmunder. Angreifer Mario Götze meinte: «Wir können alle sehr, sehr zufrieden sein. Wir haben jetzt neun Punkte und besser könnten wir nicht dastehen.»

Edelreservist Götze spielt von Anfang an

Nach Erfolgen beim FC Brügge (1:0) und gegen die AS Monaco (3:0) kam der BVB anfangs schwer in das Match, das Kapitän Marco Reus im Vorfeld "eine Reifeprüfung" genannt hatte. Favre musste auf den zuletzt so treffsicheren Torjäger Paco Alcácer verzichten, der mit muskulärer Probleme im Oberschenkel fehlte. Für den Spanier rückte Götze, Edelreservist der vergangenen Wochen, ins Sturmzentrum. Dieser Kniff blieb erst noch ohne Wirkung. Die Routiniers von Atlético kontrollierten die Anfangsphase und machten der jungen, aber sicher stehenden BVB-Abwehr viel Arbeit.

Der Europa-League-Sieger aus Madrid mit den Weltstars Antoine Griezmann und Diego Costa reiste mit der besten Verteidigung der spanischen Primera División an. Wie zu erwarten war, entwickelte sich so ein Geduldsspiel. Selbst der hochgelobte Angriff der Borussia hatte länger Probleme, den Champions-League-Finalisten von 2014 und 2016 in Bedrängnis zu bringen. In der Bundesliga sind die Dortmunder mit 27 Toren nach acht Spielen die gefährlichste Mannschaft, bei der verdienten Führung gegen Spaniens Vizemeister von Coach Diego Simeone hatten sie jedoch auch etwas Glück.

Mit seinem ersten Schuss scheiterte der Belgier Witsel in der 21. Minute noch, der zweite gefährliche wurde von Saúl Niguez in das Tor des machtlosen Jan Oblak abgefälscht. Die Führung war auch ein Verdienst der starken BVB-Defensive, die in der ersten Halbzeit nur wenig zuließ. Die gefürchteten Atlético-Konter blieben weitgehend aus. Nur bei einen Schuss von Weltmeister Griezmann ans Außennetz (31.) kam Madrid dem Tor nahe. Mit zunehmender Spielzeit gelang es der Borussia, mehr und mehr die Regie zu übernehmen.

Beste spanische Verteidigung düpiert 

Zu Beginn der zweiten Halbzeit erhöhte Madrid merklich Druck und Tempo, hatte Vorteile beim Ballbesitz und drängte die Gastgeber in die eigene Hälfte zurück. Dabei hatte Pechvogel Saúl Niguez zwei gute Möglichkeiten und scheiterte mit der besten am Pfosten (53.). Anders als vor dem Seitenwechsel gelang es dem BVB lange Zeit nicht mehr, den Gegner mit seinem klugem Kombinationsspiel zu beschäftigen.

Wie aus dem Nichts bot sich den Westfalen die Chance zum 2:0, doch Reus in seinem 50. Europacup-Einsatz für den BVB und Achraf Hakimi standen sich gegenseitig im Weg (66.). Besser machte es Hakimi als er den Ball scharf in den Strafraum spielte und der gerade erst eingewechselte Guerreiro vollendete. Die Gäste hatten weniger Glück, als auch Angel Correa nur an den Pfosten traf (78.) - und der eingewechselte Sancho und erneut Guerreiro kurz vor Schluss noch zum Endstand trafen.

Mit einer der besten Saisonleistungen hat der kriselnde FC Schalke 04 den Stresstest im Hexenkessel von Istanbul bestanden und seine Chancen auf das Achtelfinale in der Champions League gewahrt. Der 16. der Fußball-Bundesliga kam am Mittwochabend beim türkischen Meister Galatasaray Istanbul zu einem verdienten 0:0 und hat nun beste Aussichten, die K.o.-Runde in der Königsklasse zu erreichen.

Schalke besteht, aber es war mehr drin

Vor rund 50 000 Zuschauern in der fast ausverkauften Türk Telekom Arena scheiterte die Mannschaft von Trainer Domenico Tedesco einmal mehr an ihrer schlechten Chancenverwertung. Eine überragende Leistung bot Ersatzkeeper Alexander Nübel, der bei seinem Champions-League-Debüt den Auswärtspunkt mit überragenden Paraden sicherte. Die alleinige Tabellenführung in der Gruppe D übernahm indes der FC Porto durch ein 3:1 bei Lok Moskau.

"Ich bin sehr zufrieden mit meinem Debüt, das war geil, wir haben die wahnsinnige Stimmung im Stadion für uns genutzt", sagte Nübel und lobte seine Mannschaft: «Wir haben ein Top-Spiel gemacht, deshalb ist es schade, dass wir uns nicht belohnt haben.» Das sah auch Stürmer Mark Uth so, der diesmal etwas defensiver auf der Acht spielte. «Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, leider nicht das 1:0 - dann hätten wir gewonnen», meinte der Jung-Nationalspieler.

Schon im nächsten Königsklassen-Duell am 6. November kommt der türkische Rekordmeister zum Rückspiel nach Gelsenkirchen. Doch am Sonntag steht für Schalke erst einmal die schwere Auswärtsaufgabe in der Liga gegen RB Leipzig an.

Vier Tage nach dem 0:2 gegen Werder Bremen - es war die sechste Niederlage im achten Bundesliga-Spiel - setzte Tedesco auf große Rotation. Gleich auf sieben Positionen veränderte der Coach sein Team: Nur Nübel, Salif Sané, Daniel Caligiuri und Hamza Mendyl blieben in der Startelf.

Die Gäste mussten nicht nur auf Abwehrchef Naldo wegen eines Infekts verzichten, auch Stammkeeper Ralf Fährmann (Muskelverletzung im Adduktorenbereich) fiel aus. Für ihn stand Ersatzmann Nübel zwischen den Pfosten. Der Franzose Benjamin Stambouli bestritt nach seiner Syndesmoseverletzung sein erstes Saisonspiel - und der neue Kapitän überzeugte gleich beim Comeback mit einer ganz starken Leistung. Omar Mascarell musste wegen einer Oberschenkelverhärtung passen.

Sensationelle Kopf-Abwehr des Ersatzkeepers

Mit gellenden Pfeifkonzerten wurde jede Aktion der Schalker vom Anpfiff an begleitet. Gleich beim ersten Warnschuss-Kracher der Türken von Garry Rodrigues war Nübel mit einer Faustabwehr auf dem Posten (9.) und wirkte auch später sehr sicher. Kurz vor der Halbzeitpause bewahrte der 22-Jährige seine Mannschaft mit einer sensationellen Kopf-Abwehr gegen den früheren Bundesliga-Profi Eren Derdiyok (45.) vor einem Rückstand.

Im zwölften Saison-Pflichtspiel kombinierten die Schalker mutig nach vorn, nutzten die Räume geschickt und setzten immer wieder Nadelstiche. Jewgeni Konopljanka hob den Ball clever über Fernando Muslera und wurde dann vom Gala-Torhüter getroffen (13.). Der von den Schalkern erhoffte Elfmeterpfiff blieb aus - Tedesco tobte an der Seitenlinie.

Ein Kopfball von Sané strich knapp am Tor vorbei (17.), Muslera lenkte einen Konopljanka-Schuss in höchster Not noch über die Latte (45.+1) - die Halbzeitführung für Schalke wäre mehr als verdient gewesen. Kurz nach Wiederanpfiff vergab Breel Embolo eine Doppelchance (47.) - mit einer weiteren Gelegenheit (63.) hätte er die Partie im Alleingang entscheiden müssen. Und Schalke machte weiter Druck, der eingewechselte Steven Skrzybski hatte den Siegtreffer auf dem Fuß (88.) - die Schalker Chancen hätten am Ende für mehrere Siege gereicht.

Die Hausherren machten zwar viel Wirbel, wurden aber höchst selten torgefährlich. Allerdings hatte auch der von Fatih Terim trainierte türkische Meister, der in der Süper Lig seit 24 Heimspielen ungeschlagen ist, fünf verletzungsbedingte Ausfälle zu beklagen.