Ratgeber

Von der Urinsteuer bis zur Wettsteuer: Eine Zeitreise durch die Steuergeschichte

Steuern gibt es bereits seit über 5.000 Jahren. Auch der moderne Staat erhebt zur Finanzierung seines Budgets auf fast alles Steuern. Das Einkommen muss ebenso versteuert werden wie das Benzin an der Tankstelle, Lebensmittel im Supermarkt oder Tabakprodukte. Selbst Hunde und Sportwetten werden heutzutage besteuert. Als erste deutsche Stadt führte Köln 2004 sogar eine Steuer für die käufliche Liebe ein. Seitdem müssen Prostituierte im Schnitt 150 Euro pro Monat zahlen, um ihrem Gewerbe nachgehen zu dürfen. Besonders skurril mutet die Steuer der Stadt Fürth an, die 2009 eingeführt wurde und im Volksmund als Luftsteuer bezeichnet wird:  Sind an Privathäusern Kaugummi- oder Zigarettenautomaten angebracht, die mehr als 15 Zentimeter auf den Gehweg ragen, müssen jährlich bis zu 125 Euro an Gebühr gezahlt werden.

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© Pixabay

Die Idee, einen Teil des privaten Vermögens dazu aufzuwenden, öffentliche Aufgaben zu erfüllen reicht bis in die Antike zurück. Im alten Rom sollte beispielsweise im Jahre 215 v. Chr. die sogenannte "lex oppia" (Luxussteuer) verhindern, dass Bürger übermäßig teuren Schmuck oder Gewänder aus Purpur tragen, während andere in Armut lebten. 

Eine frühe Steuerlegende war auch die sogenannte  Urinsteuer des Kaiser Vespasian (9 – 79 n. Chr.): Um den Bau neuer öffentlicher Bedürfnisanstalten zu finanzieren, erhob der Kaiser eine Steuer auf jeglichen Gang zur öffentlichen Toilette. Passenderweise stammt von Vespasian auch der Spruch: „Geld stinkt nicht“ (pecunia non olet).

Volkszählungen im alten Rom sollten die Zahl der Steuerpflichtigen ermitteln

Kaiser und Senat im alten Rom ließen sogar Volkszählungen, um herauszufinden, wie vielen Köpfen sie Steuern auferlegen konnten. Darüber hinaus führten die Römer eine Grundsteuer ein. Landpächter und Grundbesitzer wurden nach dem besteuert, was sie auf ihrem Grund erwirtschafteten.

Auch im alten Ägypten gab es schon früh richtige Steuern, etwa eine Erntesteuer und den legendären Nilzoll. Am größten Fluss des Landes wurden sogenannte Nilometer gebaut, mit deren Hilfe die Höhe der Überschwemmungen errechnet wurde, die fruchtbaren Schlamm als Dünger auf die Felder spülten. Nur mit ausreichend Schlamm konnte die Saat wachsen und gedeihen. Die Überschwemmungshöhe war ein wichtiger Faktor für die Berechnung der Steuer.

Seit es Kaiser, Könige und Herrscher gibt, müssen deren Untertanen Abgaben leisten. In den Großreichen des Altertums benötigten die Herrscher viel Geld für ihren prunkvollen Hofstaat, aber auch für die Finanzierung von Kriegen und für den Ausbau der Infrastruktur.

Auch die Kirche sicherte sich mit dem Zehnten ein Stück vom Kuchen

Natürlich wollte neben den weltlichen Herrschern auch die Kirche nicht leer ausgehen. Seit dem 6. Jahrhundert forderte sie einen sogenannten Zehnten ein. Bauern mussten demnach den zehnten Teil ihres landwirtschaftlichen Erwerbs an die Kirche abgeben. Wer sich als Bauer keine Abgaben in Form von Gütern leisten konnte, wurde zum Frondienst herangezogen.

Die Ursprünge des heutigen deutschen Steuersystems lassen sich bis ins frühe Mittelalter zurückverfolgen. In früheren Jahrhunderten wurden Steuern von Herrschenden und der Kirche oft willkürlich erlassen und vor allem den Menschen auferlegt, denen es sozial und wirtschaftlich ohnehin schon schlecht ging.

Im 17. Jahrhundert entwickelten sich immer mehr direkte und vor allem indirekte Steuern, wobei der Kreativität kaum Grenzen gesetzt waren. Einige von ihnen, wie beispielsweise die Hundesteuer oder die Steuern auf Sportwetten und Lotterien, existieren bis heute. Weil Peter der Große gegen das Tragen von Bärten war, erhob er kurzerhand eine Steuer auf die in seinen Augen unschickliche Gesichtsbehaarung.

Jungfernsteuern, Dienstbotensteuern und andere skurrile Steuern

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Besonders kurios mutet aus heutiger Sicht auch die zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Preußen eingeführte Jungfernsteuer an. Unverheiratete junge Frauen zwischen 20 und 40 Jahren mussten zur Strafe Steuern zahlen, womit die Zeugung von Nachwuchs und die Entlastung von Ehepartnern gefördert werden sollte.

Die auch heute in Deutschland noch existierende Hundesteuer gehörte im alten Preußen zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu den Luxussteuern. Finanziell besser gestellte Bürger sollten beim Kauf von Luxusgütern (wozu damals auch Hunde zählten) mehr Steuern zahlen. Wer es sich leisten konnte, Hunde zu halten, die keine Nutztiere sind, musste aus Sicht der preußischen Obrigkeit auch genug Geld für das Leisten von Abgaben besitzen. Weitere Luxussteuern dieser Epoche waren beispielsweise die Dienstbotensteuer oder die Karossensteuer für Anschaffung und Haltung einer Kutsche.

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Die Geschichte zeigt, was die Konsequenz einer ungerechten, oft willkürlichen Besteuerung von Untertanen sein kann. Wenn die untersten sozialen Schichten den Druck der zu leistenden Steuerabgaben nicht mehr tragen können, führt das zu offenen Protesten, Aufständen und Revolutionen. Bestes Beispiel hierfür ist die Französischen Revolution von 1789, die Schritt für Schritt zu einem modernen Staat mit einem gerechteren Steuersystem führte.

Einer der Ersten, die sich ernsthafte Gedanken über ein gerechteres Steuersystem machten, war im 18. Jahrhundert der berühmte Ökonom Adam Smith. Die Grundidee von Smith bestand darin, den Menschen nur so viel Steuern zu entziehen, dass ihnen selbst noch genug zum Leben bleibt. Nur so könne gewährleistet werden, dass der Mensch weiterhin wirtschaftlich tätig sein kann.

Eine der skurrilsten Steuern der Neuzeit sollte 2003 in Neuseeland eingeführt werden. Die neuseeländische Steuer auf den Ausstoß schädlicher Methangase wurde im Volksmund auch Pupssteuer genannt. Verantwortlich für die Entstehung enormer Methangas-Mengen waren aus Sicht der neuseeländischen Regierung vor allem die rund 40 Millionen Schafe und 4,5 Millionen Kühe der Insel. Um die Forschung zur Reduzierung des Methans zu finanzieren, plante die Regierung 2003 die Einführung einer entsprechenden Steuer für Landwirte, was diese jedoch wenig lustig fanden.

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