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Trotz "nicht vorhandener Produktreife"

Bundeswehr will umstrittene Rakete kaufen

  • Veröffentlicht: 03.04.2015
  • 20:07
  • dpa
dpa

Die Bundeswehr will nach einem "Spiegel"-Bericht die umstrittene Panzerabwehrrakete Pars3-LR doch kaufen. Im letzten Jahr wurde dem Lenkflugkörper "nicht vorhandene Produktreife" attestiert. Außerdem verhandelt die Bundesregierung mit dem Regime in Usbekistan.

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Das Verteidigungsministerium hat laut "Spiegel" beschlossen, am umstrittenen Kauf der Panzerabwehrrakete Pars3-LR festzuhalten. Damit folge die Ministeriumsleitung nicht der Empfehlung der Beratungsfirma KPMG, die dem Lenkflugkörper im vergangenen Jahr "nicht vorhandene Produktreife" attestiert und geraten habe, das Projekt abzubrechen. Die Rakete, die die Hauptwaffe des Kampfhubschraubers "Tiger" werden soll, weise "eine mangelhafte Treffsicherheit unter Einsatzbedingungen" auf und bedürfe einer Nachentwicklung von ungefähr zwei Jahren, urteilten die Berater.

Das Verteidigungsministerium argumentiert dem Bericht zufolge, der Verzicht auf die Rakete würde zu finanziellen Verlusten in dreistelliger Millionenhöhe für die Bundeswehr führen. Zudem habe die Rakete die "vertraglich definierte Leistungsfähigkeit" nachgewiesen. Zuletzt hatte das Verteidigungsministerium erhebliche Probleme bei der Treffsicherheit des Sturmgewehrs G36 eingeräumt

Usbekistan fordert Millionen von Bundesregierung 

Die Bundesregierung steht außerdem vor heiklen Verhandlungen mit dem Regime des autoritären usbekischen Staatschefs Islam Karimow, wie "Spiegel" weiter berichtet. In den kommenden Wochen wolle eine Regierungsdelegation in Taschkent einen neuen Mietvertrag für die Nutzung des Militärflughafens in Termes abschließen, der von strategischer Bedeutung für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr sei. Usbekistan wolle allerdings die Miete für das Jahr 2016 von bisher 35 Millionen Euro auf 72,5 Millionen Euro mehr als verdoppeln.

Die Zahlungen sind dem Bericht zufolge seit Jahren wegen der Menschenrechtslage in der ehemaligen Sowjetrepublik umstritten. Im Verteidigungsressort gehe man davon aus, dass die deutschen Devisen in die Privatschatulle von Präsident Karimow flössen.

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