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Stimmung in Regierung "zunehmend nervös"

China droht eine Konjunkturflaute

  • Veröffentlicht: 12.08.2015
  • 10:49
  • dpa
dpa/EPA/Rolex Dela Pena

Die Aussichten für Chinas Wirtschaft verdüstern sich immer mehr. Die Regierung in Peking wird langsam nervös.

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In China gibt es immer mehr Anzeichen einer Konjunkturflaute. Nach zuletzt überraschend schwachen Wirtschaftsdaten fiel auch die Industrieproduktion enttäuschend aus. Im Juli sei das Produktionswachstum im Jahresvergleich auf 6,0 Prozent geschrumpft, nach 6,8 Prozent im Vormonat, teilte das nationale Statistikamt am Mittwoch mit. Volkswirte hatten zwar ein schwächeres Produktionswachstum erwartet, waren aber immer noch von einem Zuwachs um 6,6 Prozent zum Vorjahr ausgegangen.

Neben der Industrieproduktion fiel auch das Umsatzwachstum im chinesischen Einzelhandel enttäuschend aus. Hier meldete das Statistikamt für Juli einen Rückgang des Wachstum um 0,1 Prozentpunkte auf 10,5 Prozent. Volkswirte hatten hingegen ein unverändertes Wachstum erwartet. Seit Beginn des Jahres liegen die Wachstumsraten im Einzelhandel unter 11 Prozent und damit auf einem Niveau, dass zuletzt 2003 erzielt worden war.

Experte: Starker Abwärtsdruck

"Chinas Wirtschaft sieht sich einem starken Abwärtsdruck ausgesetzt", kommentierte China-Experte Yao Wei von der Bank Societe Generale die jüngsten Wirtschaftsdaten. Die Sorge vor einer ernsten Konjunkturflaute zeigt starke Auswirkungen an den Finanzmärkten. Zur Wochenmitte gab es erneut Kursverluste an den Aktienmärkten, während vergleichsweise sichere Staatsanleihen von den Anlegern gesucht wurden.

Chinas Führung kämpft seit geraumer Zeit mit zahlreichen Maßnahmen gegen eine abflauende Konjunktur in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Zuletzt hatte die chinesische Notenbank die heimische Währung den zweiten Tag in Folge deutlich abgewertet. Experten sehen darin einen direkten Zusammenhang zum Einbruch der chinesischen Exporte im Juli.

Stimmung in Regierung "zunehmend nervös"

"Die dicht aufeinanderfolgenden Eingriffe am Aktien- und Devisenmarkt geben Anlass zu Spekulationen über den Aktionismus einer zunehmend nervösen Administration", sagte Experte Frank Hübner von der Bank Sal. Oppenheim. Ein möglicher Grund für die nervöse Stimmung in der Führung in Peking: Entwickeln sich Chinas Konjunkturdaten weiterhin enttäuschend, könnte auch das von der Regierung für dieses Jahr festgelegte Wachstumsziel der Wirtschaft von sieben Prozent in Gefahr geraten.

Erneute Yuan-Abwertung drückt Börsen ins Minus

Nach der erneuten Abwertung der chinesischen Währung Yuan sind die asiatischen Börsen am Mittwoch durchweg ins Minus gerutscht. Die Talfahrt des Yuan zusammen mit einer enttäuschenden Industrieproduktion im Juli schürten die Sorgen um den Zustand der chinesischen Wirtschaft. Der Sammelindex Stoxx 600 Asia/Pacific sank um 1,84 Prozent auf 169,71 Punkte und baute damit seine Vortagesverluste aus. Ein schwächerer Yuan macht chinesische Produkte im Ausland wettbewerbsfähiger, verteuert umgekehrt aber ausländische Produkte für chinesische Käufer.

Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland gab bis zum Handelsschluss um 1,24 Prozent auf 4.016,11 Punkte nach. In Shanghai sank der Leitindex um 1,06 Prozent auf 3.886,32 Punkte.

An der Börse in Hongkong, an der auch ausländische Anleger ohne Beschränkungen handeln können, ziehen sich die Investoren nach Angaben eines Marktteilnehmers zurück. Wegen der Yuan-Abwertung würden auch Aktien und Anleihen in dieser Währung immer stärker an Attraktivität verlieren, sagte ein Börsianer. Der Hang-Seng-Index notierte zuletzt bei minus 2,40 Prozent auf 23.911,46 Punkten.

Airlines tief im Minus

Vor allem die Aktien von Fluggesellschaften gaben stark nach. China Southern Airlines teilten mit, dass jede Abwertung des Yuan um 1 Prozent den Jahresgewinn um umgerechnet 122 Millionen US-Dollar belaste. Die Fluggesellschaft muss Schulden in Dollar begleichen.

Der Nikkei-225-Index in Tokio baute seine Vortagsverluste ebenfalls weiter aus und ging mit einem Minus von 1,58 Prozent auf 20.392,77 Punkten aus dem Handel. Die erneute Yuan-Abwertung drückte vor allem die Kurse von Unternehmen nach unten, die Geschäfte mit China machen.

Der australische Leitindex ASX 200 schloss mit einem Minus von 1,67 Prozent auf 5.382,08 Punkte. Der Australische Dollar sackte im Kielwasser der Yuan-Abwertung auf ein Sechsjahrestief ab. Für den indischen Sensex-Index ging es zuletzt um 0,43 Prozent auf 27.7745,99 Punkte nach unten.

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