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Feier der Superlative

Macron will Zeichen gegen Nationalismus setzen

  • Veröffentlicht: 11.11.2018
  • 11:26
  • dpa
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Mit einer Feier der Superlative erinnert Frankreich an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Aber Präsident Macron will auch deutliche Worte zur Gegenwart sagen. Beim Friedensgipfel in Paris am Nachmittag wird ein prominenter Gast fehlen.

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100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs empfängt Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron am Sonntag rund 60 Staats- und Regierungschefs in Paris. Höhepunkt wird eine gut einstündige Feier im Schatten des Triumphbogens sein. Erwartet werden unter anderen Kanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Donald Trump, der russische Präsident Wladimir Putin sowie der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan.

In dem Krieg von 1914 bis 1918 wurden fast neun Millionen Soldaten und mehr als sechs Millionen Zivilisten getötet. Der Waffenstillstand mit dem Deutschen Reich wurde am 11. November 1918 in der Nähe von Compiègne in Nordfrankreich unterschrieben.

Gedenkgottesdienst und Kranzniederlegung

In London nimmt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Sonntag an den Gedenkfeiern zum Ende des Ersten Weltkriegs teil. Gemeinsam mit dem britischen Thronfolger Prinz Charles legt er am nationalen Ehrenmal für die Gefallenen im Zentrum Londons einen Kranz nieder. Am Abend ist er zusammen mit Königin Elizabeth II. bei einem Gedenkgottesdienst in der Westminster Abbey. In Berlin findet am Vormittag ein ökumenischer Gedenkgottesdienst statt.

Kanzlerin Merkel wird am Nachmittag das Friedensforum in Paris (15.30 Uhr) mit einer Rede eröffnen. Dort werden auch UN-Generalsekretär António Guterres und Macron sprechen. Macron wolle nach dem Weltkriegsgedenken ein Zeichen für die Gegenwart setzen und deutlich vor Nationalismus und Populismus warnen, hieß es aus dem Élyséepalast. Der 40-jährige Sozialist bezieht in Europa klar Stellung gegen Populisten wie den rechtskonservativen ungarischen Regierungschef Viktor Orban und den italienischen Innenminister Matteo Salvini von der rechten Regierungspartei Lega.

Macrons Gast Trump hatte sich im Wahlkampf vor den US-Kongresswahlen offen zum Nationalisten erklärt. Der Chef des Weißen Hauses will nicht zum Friedensforum kommen und plant stattdessen, den US-Militärfriedhof in Suresnes westlich von Paris zu besuchen.

Den Besuch eines anderen US-Soldatenfriedhofes hatte Trump am Samstag abgesagt. Das Weiße Haus begründete das mit schlechtem Wetter. Für die Absage erntete Trump Kritik. So meinte etwa der Redenschreiber des früheren US-Präsidenten George W. Bush, David Frum, auf Twitter: "Es ist unglaublich, dass ein Präsident zu diesem bedeutenden Jubiläum nach Frankreich reist - und dann in seinem Hotelzimmer fernschaut, statt den Amerikanern, die ihr Leben vor 100 Jahren für den Sieg in Frankreich gaben, persönlich seinen Respekt zu zollen."

Demonstration gegen Trump geplant

In Paris soll es am Nachmittag eine Demonstration gegen Trump geben. Die Polizei warnte vor potenziellen Gewalttätern. Am Wochenende sind laut Medien rund 10 000 Sicherheitskräfte in der Hauptstadt im Einsatz.

Macron war am Samstag mit Trump im Élyséepalast zusammengekommen. Die beiden Staatschefs zeigten sich versöhnlich, nachdem Trump seinen Gastgeber zuvor scharf kritisiert hatte. Stein des Anstoßes war die von Macron ins Spiel gebrachte europäische Armee gewesen. "Vielleicht sollte Europa zuerst seinen gerechten Anteil an der Nato bezahlen, die die USA erheblich bezuschussen!", hatte Trump mitgeteilt.

Merkel und Macron gedachten am Samstag in der Waffenstillstands-Gedenkstätte in Compiègne der Opfer des Weltkrieges. Es sei das erste Mal seit Gründung der Bundesrepublik, dass ein Bundeskanzler mit dem französischen Präsidenten an diesem Ort gewesen sei, resümierte Merkel in Paris. Das sei eine symbolische Geste. "Insofern ist dieser Tag nicht nur Mahnung, sondern er ist auch Ansporn."

Im Berliner Dom steht am Vormittag ein ökumenischer Gedenkgottesdienst auf dem Programm, der unter anderem von der Evangelischen Kirche in Deutschland und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz veranstaltet wird.

Am Rande des Gipfels in Paris könnte es nach Angaben des türkischen Präsidenten Erdogan zu einem bilateralen Treffen zwischen ihm und Trump kommen. Die Türkei hatte zuvor Aufnahmen im Zusammenhang mit der Tötung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi mit den USA, Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Saudi-Arabien geteilt. Der saudische Regierungskritiker war vor gut einem Monat im Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul umgebracht worden.

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