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Laut eines DIW-Experten

Mindestlohn: Kein Preisanstieg

  • Veröffentlicht: 09.04.2015
  • 08:16
  • dpa
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Alles halb so schlimm? Verbraucher müssen wegen des Mindestlohns nach Einschätzung des DIW-Konjunkturexperten Ferdinand Fichtner keine Preiserhöhungen auf breiter Front fürchten.

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Verbraucher müssen wegen des Mindestlohns nach Einschätzung des DIW-Konjunkturexperten Ferdinand Fichtner keine Preiserhöhungen auf breiter Front fürchten. Zwar hätten zuletzt die Preise vor allem in Ostdeutschland für Dienstleistungen wie Taxifahrten oder chemische Reinigung sowie in Hotels und Gaststätten mancherorts deutlich angezogen, sagte Fichtner der Deutschen Presse-Agentur. "Die Einführung des Mindestlohns hat aber nicht zu Preiserhöhungen auf breiter Front geführt, die wirklich bei den Menschen ein Loch in die Tasche reißen würden." Damit sei auch nicht mehr zu rechnen.

"Ich denke, dass die Preisreaktion schon fast abgeschlossen ist", sagte der Experte vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. "Denn der Preis ist für die Unternehmen die erste Möglichkeit, auf den Mindestlohn zu reagieren." In den nächsten Monaten werde sich nun erst herausstellen, ob die höheren Preise auch von den Verbrauchern akzeptiert werden. "Es wird sich zeigen, ob die Menschen sagen, so viel will ich nicht bezahlen für einen Haarschnitt, da schneide ich mir die Haare lieber selbst oder ob die Leute nicht mehr in die Kneipe gehen und lieber zu Hause essen und trinken."

Günstiger Zeitpunkt

Falls es den Unternehmen nicht gelinge, durch die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zu Jahresbeginn gestiegene Kosten in Form von höheren Preisen an die Verbraucher weiterzugeben, müssten sie anders reagieren. "Sie müssen entweder in Kauf nehmen, dass ihre Gewinne zurückgehen", sagte der Experte. "Die andere Möglichkeit wäre, dann doch Leute entlassen." Dies sei bei den sozialversicherungspflichtigen Jobs aber bisher nicht spürbar.

Der Zeitpunkt für die Einführung des Mindestlohns war nach Ansicht Fichtners sehr günstig. "Das wirtschaftliche Umfeld ist im Moment äußerst freundlich: Wir haben eine gutlaufende Konjunktur, eine relativ kräftige Arbeitsmarktsituation, eine starke Konsumnachfrage und eine sehr niedrige Inflationsrate."

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