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"Wollen nicht auf sie schießen"

Nichts als Ratlosigkeit auf der Krim

  • Veröffentlicht: 04.03.2014
  • 17:45
  • cwe, AFP
RTR

Sie tragen auf ihren grünen Uniformen keine Abzeichen, doch für die ukrainischen Soldaten besteht kein Zweifel, dass es Russen sind, die ihren Stützpunkt an der Straße zwischen der Krim-Hauptstadt Simferopol und der Hafenstadt Sewastopol blockieren. "Man muss sich nur ihre Uniformen anschauen", sagt Oberstleutnant Wladimir Dokutschajew, als er kurz vor das Tor der Militärbasis in Bachtschyssaraj tritt, vor der rund 20 Soldaten mit umgehängten Kalaschnikows auf und ab gehen, während ein Militärlastwagen die Zufahrt zu der Kaserne versperrt.

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Der Kommandeur des Marinestützpunkts auf der Krim ist noch expliziter: Als die Besetzer am Vortag einen Abgesandten schickten, habe dieser sich als "Hauptmann der Russischen Förderation" vorgestellt, sagt Oberst Sergej Steschenko. Er habe zwei Forderungen gestellt: Die Waffen niederzulegen und den Stützpunkt unter gemeinsame Aufsicht der Ukraine und Russlands zu stellen. Dies sei für sie aber unerfüllbar, sagt Steschenko. "Wir haben einen Eid auf die Ukraine geschworen. Wir müssen dem ukrainischen Volk treu bleiben. Dies ist unser Land."

Putin: Keine russischen Soldaten

Wie in Bachtschyssaraj werden überall auf der Krim ukrainische Militärstützpunkte von Soldaten belagert, bei denen es sich allem Anschein nach um Russen handelt. Russlands Präsident Wladimir Putin bestritt jedoch, dass die Stützpunkte von russischen Soldaten umstellt wurden. "Es gibt viele Uniformen, die ähnlich aussehen", sagte er. Es handele sich um "örtliche Selbstverteidigungskräfte", russische Einheiten würden nicht auf der Krim operieren.

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Unstrittig ist jedoch, dass Moskau tausende weitere Soldaten auf die Krim entsandt hat, um den Schutz seiner in Sewastopol stationierten Schwarzmeerflotte zu verstärken. Außerdem hat Putin sich am Wochenende vom russischen Parlament die Entsendung von Truppen auf die Halbinsel genehmigen lassen. Als Grund wird der Schutz der russischsprachigen Bevölkerung vor radikalen Nationalisten genannt. Doch die Übergangsregierung in Kiew sieht darin nur einen Vorwand für eine "militärische Invasion" und eine Verletzung der "territorialen Integrität der Ukraine".

"Wir wollen nicht auf sie schießen"

Die Situation auf der Krim ist angespannt. Am Montag berichtete ein Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums, die Schwarzmeerflotte habe den ukrainischen Truppen ein Ultimatum gestellt, die neue Regierung auf der Krim anzuerkennen, ihre Waffen niederzulegen und von der Halbinsel abzuziehen. Andernfalls müssten sie sich auf einen Angriff einstellen. Erst nach etlichen Stunden dementierte die Schwarzmeerflotte. Die Berichte seien "völliger Unsinn", sagte ein Vertreter. In Bachtschyssaraj bleibt man dennoch wachsam.

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Die Stimmung sei bisher friedlich, sagt Steschenko, der trotz der Sonne eine Fellmütze trägt. "Sie wollen nicht auf uns schießen, und wir wollen nicht auf sie schießen." Sollten die Russen aber doch das Feuer eröffnen, würden die Ukrainer zurückschießen. Wie viele Soldaten er unter seinem Kommando hat, will der Oberst nicht sagen. Aber sie hätten genug Waffen und Munition, versichert er. Allgemein lässt ihn die Situation aber etwas ratlos. "Persönlich verstehe ich nicht recht, wie es soweit gekommen ist", sagt er.

Große Unsicherheit unter Soldaten

Auch die Russen scheinen nicht alle zu verstehen, warum sie ihre ukrainischen Kollegen belagern: Fünfzig Meter vor dem Tor lehnt ein junger Soldat an einem Baum und weint. "Verstehen Sie, er schämt sich dafür, was hier passiert", sagt Julia, deren Sohn in der Kaserne Dienst tut, und die sich stolz als "Bürgerin der Ukraine" bezeichnet.
"Es ist furchtbar, gegeneinander zu kämpfen", sagt die Frau. Auf die Frage, ob er Russe sei, schweigt der junge Soldat, dem die Tränen aus den blauen Augen laufen. Doch er nickt schüchtern mit dem Kopf.

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