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Machtkampf um die Krim

Russische Angreifer stürmen Armeestützpunkt

  • Veröffentlicht: 07.03.2014
  • 23:45
  • jal, AP, DPA, AFP
RTR

Bewaffnete Russen haben nach einem Bericht der ukrainischen Agentur Interfax einen Armeestützpunkt auf der Krim gestürmt. Ein Lkw der russischen Streitkräfte habe das Tor der ukrainischen Militärbasis in der Hafenstadt Sewastopol durchbrochen, rund 20 "Angreifer" hätten daraufhin das Gelände betreten, einige hätten Blendgranaten geworfen, hieß es in dem Bericht. Schüsse seien bisher keine gefallen. Interfax berief sich bei den Angaben auf einen diensthabenden Offizier sowie auf das Verteidigungsministerium in Kiew.

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In dem Stützpunkt sind rund 100 ukrainische Soldaten stationiert. Sie hätten sich in einer ihrer Kasernen verbarrikadiert und ihr Kommandeur habe Verhandlungen mit den Angreifern aufgenommen, berichtete Interfax. Seit Russland vergangene Woche die Kontrolle über die Krim übernommen hat, haben prorussische Truppen Soldaten in mehreren ukrainischen Militärstützpunkten entwaffnet. Einige ukrainische Einheiten haben sich aber geweigert aufzugeben.

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Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow hatte am Donnerstag erklärt, mehr als 11.000 prorussische Soldaten hätten mittlerweile die Kontrolle über alle Zufahrtswege in die Region und hätten alle Stützpunkte blockiert, die sich nicht ergeben wollten.

Unterdessen hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon im Krim-Konflikt alle Beteiligten zur Besonnenheit aufgerufen. Das für den 16. März geplante Referendum über den künftigen Status der Krim sei eine "beunruhigende und ernste Entwicklung", ließ Ban in New York mitteilen. Er forderte alle beteiligten Parteien auf, "die Angelegenheit mit Ruhe anzugehen".

Das Parlament auf der Krim hatte den russischen Staatschef Wladimir Putin am Donnerstag um Aufnahme in die Russische Föderation gebeten. Ein Referendum dazu wurde für den 16. März angesetzt. Die Vorsitzenden beider Häuser des Parlaments in Moskau sagten am Freitag ihre Unterstützung für die Bestrebungen der örtlichen Führung auf der Krim zu.

Die ukrainische Übergangsregierung und der Westen wenden sich entschieden gegen eine Abspaltung der Krim und halten ein entsprechendes Referendum für unrechtmäßig. Wegen der Entsendung russischer Truppen auf die Krim verhängten die USA am Donnerstag Einreiseverbote und froren Vermögen ein. Auch die Europäische Union beschloss erste Sanktionen.

"Putin ist ein Garant der Sicherheit"

Russland rechnet im Machtkampf um die Ukraine jedoch nicht mit einer Vermittlungsrolle der Europäischen Union oder der USA. Der Westen habe durch sein Verhalten in der Krise erheblich an Glaubwürdigkeit verloren, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow im russischen Staatsfernsehen. "Die westlichen Partner haben wohl Kredit verspielt, wenn man sich das Schicksal des Vertrags vom 21. Februar anschaut", sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin. Das damals unter anderem von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier vermittelte Abkommen der ukrainischen Opposition mit Präsident Viktor Janukowitsch sollte einem Kompromiss den Weg bahnen.

Putin habe sich in der Ukraine-Krise lange zurückgehalten - "im Gegensatz zu unseren europäischen Partnern", sagte Peskow. Allerdings könne der Präsident nicht ruhigbleiben, wenn russische Bürger im Nachbarland "in Todesgefahr" seien. "Putin ist ein Garant der Sicherheit in der russischen Welt", sagte der Kremlsprecher.

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