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Kardinal Marx: "Keine Schlacht"

Vatikan: Spannungen bei der Synode

  • Veröffentlicht: 21.10.2015
  • 22:41
  • dpa
dpa

Ist die Familiensynode der katholischen Kirche eine "Schlacht" zwischen Reformern und Konservativen, wie es der australische Kardinal Pell empfindet? Die deutschsprachigen Synodenvertreter wehren den Eindruck ab, es kämpften deutsche Theologen gegeneinander.

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Die deutschsprachige Gruppe hat bei der Familiensynode in Rom mit scharfen Worten auf umstrittene Aussagen des australischen Kardinals George Pell reagiert. Pell hatte von einer "Schlacht" konservativer und reformorientierter Theologen im jeweiligen Gefolge der deutschen Theologen Walter Kasper und Joseph Ratzinger gesprochen.

"Die gebrauchten Bilder und Vergleiche sind nicht nur undifferenziert und falsch, sondern verletzend. Wir distanzieren uns entschieden", kritisierten die deutschsprachigen Synoden-Vertreter die Aussagen in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Zwischenbericht. "Wir waren negativ berührt von einem Interview von Kardinal Pell. Das ist nicht akzeptabel und nicht nützlich für die Synode", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. "Wir sind bei der Synode nicht in einer Schlacht, es heißt nicht Ratzinger gegen Kasper."

Heikle Themen

Der emeritierte Kurienkardinal Kasper gilt eher als reformorientiert, der emeritierte Papst Benedikt XVI., bürgerlich Ratzinger, hingegen als konservativ.

Pell, der Vorsitzender der Finanzbehörde des Vatikans ist, hatte in einem Interview der französischen Zeitung "Le Figaro" gesagt: "Wir sind Zeuge der dritten symbolischen theologischen Schlacht zwischen zwei deutschen Theologen, und damit zwischen zwei Visionen, der von Kasper und der von Ratzinger."

In ihrem Zwischenbericht betont die deutsche Gruppe auch, "im falsch verstandenen Bemühen, die kirchliche Lehre hochzuhalten" sei es immer wieder "zu harten und unbarmherzigen Haltungen" gekommen. Diese hätten Leid über Menschen gebracht, "insbesondere über ledige Mütter und außerehelich geborene Kinder, über Menschen in vorehelichen und nichtehelichen Lebensgemeinschaften, über homosexuell orientierte Menschen und über Geschiedene und Wiederverheiratete." Marx erklärte, alle Berichte der Gruppe seien einstimmig verfasst worden.

Der Münchener Kardinal sprach sich für eine offene Haltung gegenüber Geschiedenen aus. "Wenn wir sagen, wir stehen zu euch, auch wenn ihr scheitert, das zerstört die Ehe und den Willen dazu nicht, im Gegenteil, es stärkt sie. Das ist als Botschaft sehr wichtig", sagte er. Der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen sei aber nicht das einzige Thema bei der Synode. "Ich hoffe, dass es keine Synode der geschlossenen Türen, sondern der offenen Türen sein wird."

Positionen liegen weit auseinander

Während die deutsche Gruppe der Zulassung Wiederverheirateter zur Kommunion in Einzelfällen offen gegenübersteht, lehnen andere Gruppen diese Möglichkeit teils strikt ab. "Die Debatten haben gezeigt, dass es hier keine einfachen und generellen Lösungen gibt", heißt es im deutschen Bericht. Die Synode soll am Samstag Papst Franziskus einen Abschlussbericht vorlegen. "Die Synode geht nun auf das Ende zu, aber das wird nicht das Ende sein", erklärte Kardinal Marx. "Sie öffnet den Weg für den Heiligen Vater, damit etwas zu tun."

Für Wirbel sorgte ein Medienbericht, wonach bei Papst Franziskus ein gutartiger Hirntumor festgestellt worden sein soll. Der Vatikan wies den Bericht zurück. "Ich kann bestätigen, dass der Papst sich bester Gesundheit erfreut", sagte Sprecher Federico Lombardi in einer am Mittwoch verbreiteten Erklärung. Der Bericht der Zeitung "Il Resto del Carlino" sei "verantwortungslos und absolut unentschuldbar".

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