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Kummerkasten im NSA-Intranet

"Zelda" empört sich über Spitzelei

  • Veröffentlicht: 14.03.2014
  • 16:45
  • cwe
© sat1.de

"Zelda" heißt eine legendäre Videospiele-Reihe von Nintendo. Ein Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA scheint ein ausgesprochener Fan zu sein. Laut Dokumenten von Whistleblower Edward Snowden schreibt er unter diesem Pseudonym Ratgeberartikel für leitende Angestellte im NSA-Intranet. Darüber berichtete die Website "The Intercept" von Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald.

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Demnach behandelt "Zelda" häufig alltägliche und skurrile Themen, etwa zum Umgang mit Mitarbeitern, die am Arbeitsplatz einschlafen, die nie auf E-Mails antworten oder die durch einen besonders unangenehmen Körpergeruch auffallen. In Ratgeberartikeln werden Tipps gegeben, wie man mit diesen Problemen umgehen sollte. Jeder in der NSA kann sich an "Zelda" wenden – auch anonym.

Diese Möglichkeit hat offenbar ein Mitarbeiter genutzt, der sich "Silenced in SID" nennt. SID steht für "Signals Intelligence Directorate", eine Abteilung, die maßgeblich für die NSA-Überwachungsprogramme zuständig ist. In seinem Brief beschwert sich "Silenced", wie ihn "Zelda" nennt, über die exzessive Neugier und das Misstrauen seines Vorgesetzten.

Dieser wolle über alles informiert werden, was in der Abteilung vor sich geht. Selbst in private Gespräche zwischen Mitarbeitern will er demnach eingeweiht werden. Wie "Silenced" weiter schreibt, wirkt sich das ständige Misstrauen des Vorgesetzten äußerst negativ auf die Stimmung in der Abteilung aus, säht Misstrauen und schädigt das Teamwork.

In seiner Antwort gibt sich "Zelda" empört: "Wow, das bringt die Geheimdienstarbeit in eine unangemessene Richtung. Wir arbeiten in einem Geheimdienst, doch diese Art des Umgangs mit Geheimnissen zerstört die Teamarbeit." "Zeldas" Rat: "Was wäre, wenn du die Geheimnistuerei beendest und das Problem öffentlich machst?" Die Mitarbeiter sollten ein Meeting einberufen und mit ihrem Vorgesetzten offen über das Problem reden.

Spione, die sich über Spionage beschweren – der Fall wirft ein ironisches Schlaglicht auf den US-Geheimdienst, dem weltweit offenbar nur wenig verborgen bleibt und der sich bis heute vehement dagegen wehrt, seine Aktivitäten einzuschränken. Seine eigenen Mitarbeiter bitten um Privatsphäre und Kummerkastentante "Zelda" pflichtet ihnen bei.

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