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Einstiger Al-Kaida-Chef

21 Jahre alter Brief von Osama bin Laden aufgetaucht: Weshalb er zum Problem wird

  • Aktualisiert: 22.11.2023
  • 11:59 Uhr
  • Anne Funk
Ein Brief des 2011 getöteten Terroristenführers Osama bin Laden geht derzeit viral. (Archivbild)
Ein Brief des 2011 getöteten Terroristenführers Osama bin Laden geht derzeit viral. (Archivbild)-/AL-JAZEERA/dpa

Sein "Letter to America" geht aktuell auf TikTok viral, nun löschte der britische "Guardian" den Brief bin Ladens von seiner Website. Nach Expertenmeinung war genau das ein Fehler.

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Das Wichtigste in Kürze

  • 2002 schrieb Terroristenführer Osama bin Laden einen "Brief an das amerikanische Volk".

  • Das Dokument wurde nun von einigen Nutzer:innen auf TikTok zum Lesen empfohlen.

  • Die britische Zeitung "Guardian" entschied sich daraufhin, den Text von seiner Website zu entfernen.

Ein mehr als 20 Jahre alter Brief erlebt derzeit ein überraschendes Comeback: Den "Letter to America" ("Brief an das amerikanische Volk") hatte der frühere Chef der Terrororganisation Al-Kaida, Osama bin Laden, geschrieben. Darin hatte der Planer der Terroranschläge vom 11. September 2001, unter anderem auf das World Trade Center in New York City, seine von islamischem Fundamentalismus und Antisemitismus geprägte Weltsicht dargelegt. Auch drohte er mit weiteren Gewalttaten. 

Obwohl viel Zeit vergangen ist, scheint das Pamphlet aktuell wieder auf erhöhtes Interesse zu stoßen. So hoch, dass sich die britische Zeitung "The Guardian" nun entschied, die englische Übersetzung des im Jahr 2002 original in arabischer Sprache verfassten Briefes von ihrer Website zu entfernen. 

Im Video: Krieg auf TikTok - Psychologin erklärt, wie man mit Kindern darüber sprechen kann

"Das auf unserer Webseite veröffentlichte Transkript wurde ohne den vollständigen Kontext häufig auf sozialen Medien geteilt. Deswegen haben wir uns entschlossen, ihn herunterzunehmen und Leser stattdessen zu dem Bericht weiterzuleiten, in dem er in Kontext gesetzt wurde", schreibt der "Guardian" am Mittwoch (15. November) auf seiner Website.

Trend in den sozialen Medien

Die Zeitung sah sich offenbar zu diesem Schritt gezwungen, nachdem junge Menschen auf TikTok und anderen sozialen Medien dazu aufgerufen haben sollen, diesen Brief zu lesen. Palästina-Unterstützer:innen in den USA sollen den Brief bin Ladens gefeiert haben.

So soll die TikTokerin Lynnette Adkins als Erste einen Aufruf veröffentlicht haben, das Pamphlet zu lesen. "Ich möchte, dass jeder mit dem, was er gerade tut, aufhört und den 'Brief an Amerika' liest. Ich habe das Gefühl, dass ich gerade eine existenzielle Krise durchlebe", zitiert das ZDF die Frau, die knapp zwölf Millionen Follower habe. Dann sollen andere Nutzer:innen ihrem Beispiel gefolgt sein und hätten davon gesprochen, dass ihnen "die Augen geöffnet" worden seien und sie "ihr ganzes Leben lang belogen" worden sein sollen. 

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TikTok will "proaktiv und aggressiv" vorgehen

Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) habe eine TikTok-Sprecherin erklärt, dass die Anzahl der genannten Videos auf TikTok gering sei. Berichte über einen Trend seien unzutreffend. "Inhalte, die für diesen Brief werben, verstoßen eindeutig gegen unsere Regeln, die die Unterstützung jeglicher Form des Terrorismus untersagen. Wir entfernen diese Inhalte proaktiv und aggressiv und untersuchen, wie sie auf unsere Plattform gelangt sind", fügte sie hinzu. Am Donnerstag (16. November) verkündete das chinesische Unternehmen, man entferne nun "proaktiv und aggressiv" Videos, die zum Lesen des Briefes aufrufen.

Die Entfernung des Textes vom "Guardian" führte offenbar sogar zu einer Verstärkung des Trends. Auch ist der Brief noch immer an anderen Stellen im Internet abrufbar. Renee DiRest, Expertin für Propaganda und Falschinformationen an der Stanford-Universität, kritisierte das Vorgehen der britischen Zeitung als einen Fehler. Man sollte längst öffentlich bekannte Fantasien eines Terroristen nicht zum verbotenen Wissen machen, nur weil es einige bei TikTok verbreiteten, schrieb sie beim Online-Dienst "Threads". Für manche könne es so aufregender werden, sie wiederzuentdecken. Stattdessen solle man Leute "die Forderungen des Mörders" lesen lassen und mehr Kontext hinzufügen.

:newstime
  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • The Guardian: "Removed: document"
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