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Umsatzeinbruch im Einzelhandel

Deutschland spart bei Lebensmitteln: Umsatzminus-Rekord

  • Veröffentlicht: 04.05.2023
  • 12:14 Uhr
  • Stefan Kendzia

Die Verbraucher in Deutschland sind so sparsam wie seit 30 Jahren nicht mehr: Der Umsatz bei Lebensmitteln ist dramatisch eingebrochen. Grund dafür könnte der immense Preisauftrieb von Nahrungsmitteln sein. Dieser lag im März unglaubliche 22,3 Prozent höher als noch ein Jahr zuvor, wie die "Welt" berichtet.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Deutsche sind so sparsam wie seit 30 Jahren nicht mehr.

  • Preisauftrieb bei 22,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

  • Besonders ärmere Familien leiden unter den immens gestiegenen Preisen.

Wer kann das noch zahlen? Besonders ärmere Familien leiden unter der immensen Preissteigerung von Lebensmitteln. Diese war im März um mehr als 20 Prozent höher als genau ein Jahr zuvor. Der Einzelhandelsumsatz für Nahrungsmittel war im März inflationsbereinigt um 10,3 Prozent niedriger als 2022. 

Verbraucher sparen so viel wie seit 30 Jahren nicht mehr

Insgesamt schränken sich die Verbraucher:innen beim Einkauf so sehr ein wie seit etwa 30 Jahren nicht mehr, wie das "Statistische Bundesamt" in einer Pressemitteilung verkündet. Als besonders kritisch sieht diese Entwicklung das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK): "Hier ist davon auszugehen, dass besonders ärmere Familien, die ohnehin oft qualitativ schlechtere Nahrungsmittel kaufen, nun noch einmal weiter sparen", wie der wissenschaftliche IMK-Direktor Sebastian Dullien sagte.

Nicht nur inflationsgeplagte Verbraucher:innen leiden unter dieser Situation. Auch dem Einzelhandel selbst bereitet die Konsumzurückhaltung große Sorgen - selbst wenn der Spardrang nachzuvollziehen ist. "Der Umsatz befindet sich ganz klar in einem Abwärtstrend", kommentierte Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, die Entwicklung. "Wegen der hohen Inflation wird es der Einzelhandel weiter schwer haben." Im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnete dieser sogar ein reales Umsatzminus von 8,6 Prozent.

Ein halbes verlorenes Jahrzehnt für die deutschen Konsumentinnen und Konsumenten

Sebastia Dullien, IMK-Direktor

Das IMK erwartet trotzdem eine Entspannung: Dank stärker steigender Löhne als auch steuer- und abgabenfreier Inflationsausgleichprämien sollten die Kaufkraftveluste in den kommenden Monaten nachlassen. "Dann dürfte sich auch der private Konsum wieder allmählich erholen", sagte IMK-Direktor Sebastian Dullien. Allerdings rechnet man erst im Jahr 2025 mit einem Konsumniveau vom Vor-Corona-Jahr 2019. "Der Energie- und Nahrungsmittelpreisschock bedeutet damit ein halbes verlorenes Jahrzehnt für die deutschen Konsumentinnen und Konsumenten", sagte Dullien.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) ist da weniger optimistisch. Der HDE befürchtet aufgrund der Konsumzurückhaltung ein Ladensterben. Auch aufgrund der gestiegenen Kosten für viele Unternehmen. In diesem Jahr prognostiziert der Verband ein grassierendes Ladensterben von etwa 9000 Geschäften.

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