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Nahost-Konflikt im Ticker

Bericht: Hisbollah hat ausgefeilteres Tunnelsystem als die Hamas

  • Aktualisiert: 03.01.2024
  • 04:45 Uhr
  • Malika Baratov
In einem südlichen Vorort der libanesischen Hauptstadt Beirut hat sich am Dienstagabend eine Explosion ereignet.
In einem südlichen Vorort der libanesischen Hauptstadt Beirut hat sich am Dienstagabend eine Explosion ereignet. © Stringer/dpa

+++ Islamforscherin sieht beunruhigende Allianzen bei Antisemitismus +++ Bericht: Hisbollah hat ausgefeilteres Tunnelsystem als die Hamas +++ Macron fordert Israel zur Zurückhaltung im Libanon auf +++ Alle Entwicklungen in Nahost im Newsticker vom 3. Januar

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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter warnt vor zunehmendem Antisemitismus in Deutschland.

  • Die Hisbollah-Miliz im Libanon verfügt offenbar über ein ausgefeilteres Tunnelsystem als die Hamas im Gazastreifen, mit unterirdischen Wegen, die sich über Hunderte Kilometer im Süden Libanons bis zur Grenze nach Israel erstrecken.

  • Nach der mutmaßlichen Tötung eines Hamas-Anführers in Beirut durch Israel hat der französische Präsident Macron die israelische Regierung aufgefordert, "jedes eskalierende Verhalten, insbesondere im Libanon, zu vermeiden".

Islamforscherin sieht beunruhigende Allianzen bei Antisemitismus

+++ 4:00 Uhr: Die Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter befürchtet, dass der Antisemitismus in Deutschland weiter wächst. Drei gesellschaftliche Gruppen bereiteten dafür den Boden, sagte die Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam an der Frankfurter Goethe-Universität: muslimische, linke und rechte Kreise. "Da ergeben sich gerade beunruhigende Allianz-Möglichkeiten. Ich befürchte, dass da gerade dauerhafte Synergieeffekte am Entstehen sind. Das ist für unsere Gesellschaft ein ziemlicher Sprengstoff."

Alle drei Gruppen stünden in der Deutung des Nahostkonflikts auf derselben Seite. "Im Islam gibt es einen religiös begründeten Antisemitismus", sagte Schröter der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Ganz offensichtlich sei das bei islamistischen Gruppierungen wie der Muslimbrüderschaft, aus der auch die Hamas hervorging. "Der Hass auf Juden und das Ziel der Vernichtung Israels ist ihr Gründungsfundament." Aber auch in den muslimischen Communitys in Deutschland gebe es weit verbreiteten Antisemitismus. "Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Muslime den Anschlag der Hamas auf Israel verurteilt", sagte Schröter.

Auch in akademischen linken Kreisen gebe es "einen explizit pro-palästinensischen Fokus und starke anti-israelische Stimmen", so Schröter. Dies speise sich aus einer postkolonialen Theorie, der zufolge Israel als "weißer Täterstaat" gesehen werde. "Diese falsche, aber wirkmächtige Konstruktion ist unmittelbar anschlussfähig an islamistische Narrative." Anschlussfähig sei die Haltung auch an rechte Narrative, sagte Schröter. Schon in den 1930er Jahren habe es eine Allianz zwischen den Muslimbrüdern und den Nationalsozialisten gegeben. "Sie hatten ein gemeinsames Ziel: die Vernichtung der Juden." Bis heute gebe es weltanschaulich "Überschneidungen von islamistischen und rechten Kreisen".

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Bericht: Hisbollah hat ausgefeilteres Tunnelsystem als die Hamas

+++ 2:25 Uhr: Die Hisbollah-Miliz im Libanon soll einem Medienbericht zufolge über ein ausgefeilteres Tunnelsystem verfügen als die islamistische Hamas im Gazastreifen. Die unterirdischen Wege verliefen im Süden Libanons über Hunderte Kilometer bis zur Grenze nach Israel hinein, berichtete die Zeitung "Times of Israel" am Dienstag (2. Januar) unter Berufung auf den Geheimdienstexperten Tal Beeri. Der Leiter des mit Sicherheitsfragen an Israels Nordgrenze befassten Alma Forschungs- und Bildungszentrums forscht nach eigenen Angaben schon seit Jahren auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen zu dem Tunnelnetz der vom Iran unterstützten Schiitenmiliz im Libanon.

Israels Armee hatte 2018 in der Operation "Nördliches Schutzschild" einen "grenzquerenden Angriffstunnel" der Hisbollah unter der israelisch-libanesischen Grenze gefunden und zerstört. "Das ist der erste Tunnel, den wir gefunden haben, (…) danach werden wir uns anderen Tunneln zuwenden, wir wissen, dass es sie gibt", sagte damals ein Sprecher. Es gebe Tunnel, die die Hisbollah auch zum Abschuss von Präzisionswaffen nutzen könne, sagte Beeri der Zeitung. Das Tunnelsystem "ist anspruchsvoller" als das der Hamas. 

Israels Armee führt seit dem Massaker der Hamas und anderer Gruppen in Israel am 7. Oktober Krieg gegen die Terrororganisation im Gazastreifen. Die Hamas nutzt dazu ihr Tunnelnetz, in dem sich laut Israel etliche der Terroristen verstecken sowie Geiseln aus Israel festgehalten werden. Israels Armee hat nach eigenen Angaben einige der weit verzweigten Tunnel bereits freigelegt und zerstört. Im Zuge der sich ebenfalls zuspitzenden Lage an der Grenze zum Libanon seien nun auch wieder die Tunnel der Hisbollah im Gespräch, berichtete die Zeitung.

Im Video: Nord-Gaza - Israels Armee findet fünf tote Geiseln in Hamas-Tunnel

Nord-Gaza: Israels Armee findet fünf tote Geiseln in Hamas-Tunnel

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Macron fordert Israel zur Zurückhaltung im Libanon auf

+++ 2:22 Uhr: Nach der mutmaßlich von Israel veranlassten Tötung eines Hamas-Anführers in Beirut hat der französische Präsident Emmanuel Macron die israelische Regierung aufgefordert, "jedes eskalierende Verhalten, insbesondere im Libanon, zu vermeiden". Das teilte der Élyséepalast in Paris am Dienstagabend (2. Januar) nach einem Telefonat Macrons mit Benny Gantz, Minister in Israels Kriegskabinett, Medienberichten zufolge mit. Frankreich werde diese Botschaften der Zurückhaltung weiterhin an alle direkt oder indirekt beteiligten Akteure in dem Gebiet weitergeben, hieß es.

Der islamistischen Hamas zufolge wurde bei einer Explosion in der libanesischen Hauptstadt unter anderem der stellvertretende Leiter ihres Politbüros, Saleh al-Aruri, getötet. Die Terrororganisation machte Israel verantwortlich.

Die Hisbollah-Miliz kündigte daraufhin Vergeltung an und unternahm noch am Abend ihren ersten Angriff auf Israel nach dem Tod al-Aruris. Der regelmäßige Beschuss zwischen der Hisbollah und Israels Armee nahe der Grenze hat seit Beginn des Gaza-Kriegs vor drei Monaten zugenommen. Die Hisbollah gilt als weitaus schlagkräftiger als die Hamas.

Im Video: Tod von Hamas-Anführer in Beirut - Hisbollah kündigt Vergeltung an

Tod von Hamas-Anführer in Beirut: Hisbollah kündigt Vergeltung an

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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