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Klimawandel

Schutz vor extremen Hitzewellen: Gesundheitswesen stellt klare Forderungen

  • Veröffentlicht: 15.06.2023
  • 14:42 Uhr
  • Clarissa Yigit
Für den Menschen können Extremtemperaturen tödlich enden. Die Initiatoren des "Deutschen Hitzeaktionstages" stellen daher klare Forderungen.
Für den Menschen können Extremtemperaturen tödlich enden. Die Initiatoren des "Deutschen Hitzeaktionstages" stellen daher klare Forderungen.© Foto: Peter Gercke/dpa-Zentralbild/dpa

Am Mittwoch (14. Juni) war "Deutscher Hitzeaktionstag". Insbesondere Vertreter:innen aus dem Gesundheitssektor fordern, dass sie bei der Schaffung nationaler Hitzeaktionspläne mit eingebunden werden. Zudem müsse Hitzeschutz gesetzlich verankert werden.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Am Mittwoch (14. Juni) wurde der "Deutsche Hitzeaktionstag" begangen.

  • Vertreter:innen des Gesundheitswesens fordern die gesetzliche Verankerung von Hitzeschutz.

  • Hierfür wurden gleich mehrere Punkte erarbeitet.

Viele Menschen denken, man müsse im Sommer möglichst weit in den Süden reisen, da dort das Wetter am beständigsten und die Temperaturen am höchsten sind. Allerdings gibt es in Deutschland bereits seit rund 20 Jahren auch immer wieder extreme Hitzewellen. Besonders das Jahr 2003 fiel dabei deutlich aus dem Rahmen, wie die "Frankfurter Rundschau" (FAZ) berichtet. So gab es in jenem August Temperaturen in Südportugal von mehr als 47 Grad – auch Deutschland knackte damals die 40-Grad-Marke.

Im Video: Joggen boomt in Deutschland - Das sollte man bei der Hitze beachten

2003: 70.000 Hitzetote

Und nicht nur die Natur litt dabei unter Waldbränden, verdorrten Feldern, vertrockneten Flüssen oder verendeten Fischen – auch der Mensch konnte solch einer Hitze oft nicht standhalten. So habe es laut einer Studie damals circa 70.000 Hitzetote in Westeuropa gegeben – davon 7.000 Deutsche, so die FAZ.

Besonders stark betroffen von der Hitze seien damals die Bewohner:innen von Frankreich gewesen. Hier kam es zu einer Übersterblichkeit von 15.000 bis 20.000 Personen – im Vergleich zu früheren Jahren. Da in Paris die Kühlkammern für die Toten nicht mehr ausreichten, mussten zeitweise die Bestatter Kühllager für Lebensmittel in Anspruch nehmen.

Seither machen sich die Menschen Gedanken, wie sie mit der Hitze klarkommen können. So auch am Mittwoch (14. Juni) mit dem "Deutschen Hitzeaktionstags", an dem die Organisatoren – die Bundesärztekammer, der Pflegerat und die Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) – fordern, den Hitzeschutz gesetzlich zu verankern.

Vorbild hierfür sei das Nachbarland Frankreich, das aus der Katastrophe von 2003 gelernt habe und seither mit seinen nationalen Hitzeaktionssplänen glänzt. Das Land gilt als "Vorreiter in Europa und spätestens seit dieser Woche auch als Vorbild für Deutschland". So gebe es dort Kälteräume, kostenlose Trinkwasserbrunnen und Meldeketten, die gefährdete Gruppen rechtzeitig warnen und aufs Trinken hinweisen. Zudem würden diese Menschen während der Hitze betreut.

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Bevölkerung schützen

Deutschland sei auf zukünftig drohende längere und intensivere Hitzeperioden nicht vorbereitet, heißt es auf der Seite der Bundesärztekammer. So hätten bisher nur wenige Kommunen Hitzeaktionspläne eingeführt. Auch seien nur selten Gesundheitsberufe daran beteiligt gewesen.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, fordert: "Die Ärzteschaft sieht sich mit in der Verantwortung, die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Hitzeschutz gelingt aber nur gemeinsam. Daher muss der gesundheitliche Hitzeschutz als Pflichtaufgabe gesetzlich verankert werden, mit klaren Zuständigkeiten und Kompetenzen."

Kommunen, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen, Kitas, Schulen und Unternehmen müssten noch in diesem Sommer erste pragmatische Schutzkonzepte umsetzen, um Hitzerisiken zu reduzieren. "Wir stehen mit unserem Fachwissen bereit, um bei der Planung und Umsetzung der Maßnahmen zu helfen", so Reinhardt weiter.

"Machen wir weiter so wie bisher, werden wir die Klimakatastrophe in vollem Ausmaß erleben und parallel dazu auch eine Gesundheitskatastrophe", ergänzt Jana Luntz, Präsidiumsmitglied des Deutschen Pflegerats.

Hitze sei demnach – laut Veranstalter des Aktionstages – " das größte durch den Klimawandel bedingte Gesundheitsrisiko in Deutschland". Alleine im Jahr 2022 seien in hierzulande 4.500 Menschen auf Grund der Hitze gestorben; 2018 sogar 8.700.

Diese Personen sind von Hitze gefährdet

Die extremen Temperaturen seien insbesondere für Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen als auch Kranke, Alte, Schwangere, Kinder, Obdachlose oder Pflegebedürftige gefährlich, so die FAZ. Aber auch Personen, die im Freien arbeiten, seien gefährdet.

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Forderungen der Initiatoren des "Deutschen Hitzeaktionstages"

1. Forderung nach einem klaren gesetzlichen Rahmen für gesundheitlichen Hitzeschutz auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Zudem müssten die Zuständigkeiten und Kompetenzen geklärt werden. Dieser gesetzliche Rahmen sollte folgende Punkte umfassen:

  • Die Entwicklung, Umsetzung und Anpassung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit für Kommunen als Pflichtaufgabe.
  • Institutionelle Hitzeaktionspläne für Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, Not- und Rettungsdienste sowie in allen Bereichen der Arbeitswelt als Pflichtaufgabe.
  • Gesundheitsämter sollten bei der Entwicklung und Umsetzung von Hitzeaktionsplänen leitend oder maßgeblich miteingebunden sein. Zudem solle der Hitzeschutz für den ÖGD zur Pflichtaufgabe werden.
  • Hitzeschutz sollte ressortübergreifend geplant, umgesetzt und fortentwickelt werden.

2. Hitzeschutz solle auch in relevanten Gesetzen und Rechtsverordnungen anderer Sektoren, wie beispielsweise Baurecht und Arbeitsrecht, berücksichtigt werden.

3. Flächendeckende Hitzewellen bräuchten Strukturen und klare Zuständigkeiten in den Gesundheitsministerien von Bund und Ländern, um Großschadensereignisse und Katastrophen zu managen.

4. Ein staatlich finanziertes und unabhängig agierendes Kompetenzzentrum für gesundheitlichen Hitzeschutz auf Bundesebene.

Bereits vor drei Jahren hatten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern die Kommunen zu flächendeckenden Hitzeaktionsplänen bis 2025 aufgerufen – bisher leider vergeblich.

Nun sieht sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in der Pflicht und beabsichtige in den kommenden Wochen mit den Gebietskörperschaften sowie mit Bildungs-, Erziehungs-, Wirtschafts-, Gesundheits- und Pflegevertreter:innen über einen bundesweiten Hitzschutzplan zu beraten. So seien in Deutschland beispielsweise Alarme per Telefon oder App vorstellbar.

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