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Wenn Harndrang zum problem wird

Blasenschwäche: 6 wirksame Tipps gegen Inkontinenz

  • Aktualisiert: 24.03.2023
  • 15:06 Uhr
Blasenschwäche trifft Frauen häufiger als Männer. Das liegt vor allem an der Größe des weiblichen Beckens.
Blasenschwäche trifft Frauen häufiger als Männer. Das liegt vor allem an der Größe des weiblichen Beckens.© Choi_ Nikolai - stock.adobe.com

Starker, plötzlicher Harndrang und unkontrollierter Harnverlust - viele Frauen kennen die Probleme einer Blasenschwäche. Inkontinenz wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus und kann körperliche Aktivität, soziale Kontakte und Freizeitunternehmungen beeinträchtigen. Lies hier, was die Ursachen von Harninkontinenz sind und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

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Inkontinenz: Diese Formen gibt es

Inkontinenz, im Volksmund auch Blasenschwäche genannt, stellt immer noch ein Tabuthema dar. Viele Betroffene schämen sich und wenden sich mit ihrem Anliegen nicht an medizinisches Fachpersonal. Dabei ist es kein seltenes Krankheitsbild. Laut Schätzungen der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V. (DKG) sind allein in Deutschland neun Millionen Menschen betroffen - Frauen doppelt so oft wie Männer. Inkontinenz ist unangenehm und verursacht Krankheiten und Beschwerden wie Hautentzündungen im Intimbereich oder Harnwegsinfektionen. Doch auch der psychische Aspekt ist nicht außer Acht zu lassen: Wegen des unwillkürlichen Harnverlusts können Betroffene Minderwertigkeitsgefühle und Depressionen entwickeln und sich sozial ausgrenzen. Der erste Schritt zur Heilung besteht darin, dich über Inkontinenz zu informieren.

Es gibt fünf Harninkontinenz-Formen:

  1. Belastungsinkontinenz: Wie der Name schon sagt, ist hier körperliche Belastung, wie zum Beispiel das Heben schwerer Gegenstände, der Auslöser. Früher wurde sie als Stressinkontinenz bezeichnet. Auch Niesen, Husten und Lachen können zu einem unkontrollierten Urinverlust führen, da sich dabei der Druck im Bauchraum erhöht. Bei einer starken Harninkontinenz passiert das auch bei jeder Bewegung oder sogar im Stehen oder Liegen. Bei einer Belastungsinkontinenz spüren Betroffene kein Bedürfnis, auf die Toilette gehen zu müssen, bevor der Urin abgeht.
  2. Dranginkontinenz: Der Harndrang kommt bei dieser Form sehr plötzlich und häufig auf - oft mehrmals pro Stunde. Der Urin geht schwallartig ab. Dabei ist die Blase aber meist noch nicht voll. Betroffene schaffen es in vielen Fällen nicht rechtzeitig, die Toilette aufzusuchen.
  3. Reflexinkontinenz: Betroffene spüren bei dieser Inkontinenz-Form nicht mehr, wann ihre Blase voll ist und können den Schließmuskel und die Blasenmuskulatur nicht kontrollieren. Dadurch verlieren sie in unregelmäßigen Abständen unwillkürlichen Urin, wobei die Blase sich meist nicht vollständig entleert.
  4. Überlaufinkontinenz: Bei dieser Form der Harninkontinenz geht pro Toilettengang nur eine kleine Menge Urin ab, weil die Harnröhre verengt ist. Betroffene müssen häufig Wasserlassen, jedoch bleibt ein großer Teil des Urins in der Blase. Dadurch verspüren sie einen permanenten Harndrang.
  5. Extraurethrale Harninkontinenz: Extraurethral bedeutet "außerhalb der Harnröhre". Bei dieser Form der Inkontinenz kommt es ebenfalls zu unkontrolliertem Harnverlust, allerdings durch andere Öffnungen wie den After oder die Scheide.
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Blasenschwäche bei Frauen: Ursachen

Inkontinenz-Ursachen sind sehr vielfältig. Meist liegt es an Störungen der Blasen- und Beckenbodenmuskulatur sowie der Schließmuskeln. Die Gründe dafür sind beispielsweise:

  • Schwangerschaft und Geburt
  • Körperliche Belastung
  • Übergewicht
  • Verstopfung
  • Bindegewebsschwäche
  • Infektionen
  • Harnwegs- oder Blasensteine
  • Anatomische Veränderungen im Becken
  • Operationen
  • Durchblutungsstörungen
  • Niedriger Östrogenspiegel während der Wechseljahre
  • Neurologische Erkrankungen
  • Diabetes
  • Tumorerkrankungen der Beckenorgane
  • Medikamentennebenwirkungen
  • Langer und starker Husten

Frauen sind häufiger von Blasenschwäche betroffen als Männer. Das liegt daran, dass weibliche Becken breiter sind als die von Männern. Dadurch muss die Beckenbodenmuskulatur mehr arbeiten. Auch ein Hormonungleichgewicht spielt eine Rolle bei einem schwachen Beckenboden, der zusätzlich durch Schwangerschaft und Geburt stark beansprucht wird.

Inkontinenz: Maßnahmen und Behandlung

Um die passende Behandlung für eine Harninkontinenz zu finden, ist es wichtig, zunächst festzustellen, an welcher Form der Blasenschwäche du leidest und die Ursachen zu klären. Wende dich dazu an medizinisches Fachpersonal. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine schwache Blase zu behandeln.

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1. Gewichtsreduktion

Bei einer vorliegenden Belastungsinkontinenz rät ärztliches Fachpersonal Frauen mit Übergewicht zu einer Gewichtsabnahme. Das hat einen positiven Effekt auf den Harndrang. In einer Studie der University of California aus dem Jahr 2009 verringerte sich der unkontrollierte Urinabgang bei Frauen deutlich, nachdem sie einige Kilos abgenommen hatten.

2. Änderung des Lebensstils

Im Rahmen einer konservativen Inkontinenz-Behandlung empfehlen Ärztinnen und Ärzte Umstände, die eine Blasenschwäche fördern, zu mindern oder komplett zu vermeiden. Dazu gehören beispielsweise Stress, integriere daher bestenfalls mehr Achtsamkeit in deinen Alltag. Auch das Heben von schweren Gegenständen sowie harntreibende Getränke wie schwarzer und grüner Tee, Kaffee und Alkohol sollten vermieden werden. Trinke tagsüber viel und abends sehr wenig, damit du nachts nicht ständig ins Bad rennen musst. Falls du an chronischem Husten leidest, sollte dieser auch behandelt werden.

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3. Beckenboden-Training

So wie andere Muskeln, ist es möglich auch die Beckenbodenmuskulatur mit bestimmten Übungen zu trainieren. Leidest du an einer Belastungsinkontinenz, wirst du mit gezieltem Beckenboden-Training oder auch Core-Training gute Erfolge erzielen. Wende dich dazu an eine Physiotherapeutin oder einen Physiotherapeut. Sie oder er wird dir neben speziellen Übungen zur Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur zeigen, wie du falsche Anspannungsmuster ablegst und deinen Beckenboden im Alltag entlastest. Auch regelmäßige Pilates-Einheiten oder gezielte Yoga-Übungen stärken den Beckenboden.

4. Östrogentherapie

Ein niedriger Östrogenspiegel während der Wechseljahre ist häufig ein Grund für Blasenschwäche bei Frauen. Du kannst in diesem Fall eine Besserung erreichen, wenn du den Harn- und Genitalbereichs mit einer östrogenhaltigen Salbe mit dem Wirkstoff Östriol oder mit Östrogenscheidenzäpfchen behandelst. Da die Dosierung niedrig ist und sich nur auf diesen Bereich beschränkt, kommt es normalerweise zu keinen Nebenwirkungen. Aber nicht jede Östrogenbehandlung wirkt sich positiv auf Harninkontinenz aus. Die Hormontherapie gegen Wechseljahresbeschwerden kann die Blasenschwäche sogar verschlimmern.

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5. Blasentraining

Bei dieser Therapie führst du ein sogenanntes Miktionsprotokoll. Das heißt, du notierst, wann du Harndrang verspürst, wann du wie viel Urin ausgeschieden hast und ob es kontrolliert oder unkontrolliert war. Zudem hältst du fest, welche Getränke und wie viel du davon jeweils tagsüber oder nachts getrunken hast. Mithilfe deiner Notizen wird deine Ärztin oder dein Arzt einen Trink- und Miktionsplan für dich erstellen und festlegen, wie viel du trinken darfst und wann du die Blase entleeren solltest. Durch regelmäßiges und geregeltes Urinieren soll ein unwillkürlicher Harnverlust vermieden werden. Führe ein Blasentraining nur auf ärztliche Verordnung aus.

6. Medikamente

Je nach Form der Inkontinenz werden zur Behandlung verschiedene Arzneimittel eingesetzt. Bei einer Dranginkontinenz kommen krampflösende Medikamente zum Einsatz. Sogenannte Alpha-Rezeptoren-Blocker lockern den Blasenverschluss oder hemmen die spontane Aktivität der Harnblasenmuskulatur. Daher eignen sie sich bei einer Überlauf- und Reflexinkontinenz.

Wenn diese Therapieansätze nicht anschlagen und die Harninkontinenz nicht lindern, werden weitere Methoden wie eine Elektrostimulation oder eine Operation in Betracht gezogen. Kläre deine Behandlung stets ärztlich ab.

Inkontinenz: Diese Produkte können dir helfen

Es gibt verschiedene Produkte, die als Hilfsmittel bei einer Blasenschwäche eingesetzt werden. Zu den aufsaugenden Inkontinenz-Produkten gehören Inkontinenzeinlagen und -vorlagen. Die letzteren sind etwas dicker. Sie eignen sich aufgrund ihrer geringen Aufnahmefähigkeit und Größe für Menschen mit leichter Blasenschwäche. Außerdem gibt es Inkontinenzhosen und -slips, Erwachsenenwindeln und Bettschutzeinlagen. Diese eignen sich für Personen mit starker Inkontinenz und für bettlägerige Patient:innen.

Zu den ableitenden Inkontinenz-Produkten gehören verschiedene Arten von Kathetern, die den Urin aus der Blase in einen Behälter oder die Toilette ableiten. Sie werden bei Menschen angewandt, die unter einer starken Harninkontinenz leiden und ihre Blase nicht mehr kontrollieren können.

Daneben gibt es sogenannte funktionell-anatomische Inkontinenz-Produkte wie spezielle Inkontinenztampons sowie Ring- und Schalenpessare. Sie unterstützen die natürliche Haltefunktion des Beckenbodens bei Frauen, erhöhen den Druck auf die Harnröhre und beugen so einem unkontrollierten Harnabgang vor. Diese Hilfsmittel kannst du selbst einsetzen und wechseln oder deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt übernimmt das.

Probiere am besten verschiedene Hilfsmittel aus und lasse dir dabei Zeit. Falls du kein passendes Produkt für dich findest, dann lasse dich von deiner Ärztin oder deinem Arzt beraten.

Nasser Fleck: Ein mutiges Bekenntnis zur Blasenschwäche seht ihr im Clip:

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