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UHD / 4K Fernseher - sinnvoll oder reicht FullHD?

30.09.2016 • 10:00

Die Bildauflösung von Fernsehern wird immer höher. Hier erfahren Sie, ab wann sich UHD-/4K-Fernseher lohnen oder ob auch ein normaler HD-Fernseher reicht.

UHD / 4K Fernseher im Faktencheck

FullHD war gestern, moderne Fernsehgeräte bieten die vierfache Auflösung. Doch wer benötigt so viele Bildpunkte überhaupt und will der Handel vielleicht nur mit unsinnigen Argumenten zusätzliche Verkäufe generieren?

Über UHD-Fernseher existieren viele Mythen und viel Unsicherheit. Wir versuchen Licht ins Dunkel zu bringen und beantworten die wichtigsten Fragen zu Ultra High Definition (UHD).

Was bedeutet UHD und was hat UHD mit 4K zu tun?

Die Abkürzung UHD steht für Ultra High Definition, auf Deutsch also etwa „Ultra-hohe Auflösung“. Dieser Begriff ist als Abgrenzung zum klassischen HD – High Definition – zu sehen.

Während erste HD-Fernseher noch unter dem Begriff „HD Ready“ verkauft wurden und nur mit 1366x758 Bildpunkten auflösten, brachten und bringen es FullHD-Fernseher auf 1920x1080 Bildpunkte. Allerdings sind mittlerweile bereits Einstiegsgeräte mit dieser Auflösung ausgestattet, dem Handel und den Herstellern fehlt also ein Argument für höhere Preise.

Ultra HD bedeutet im Allgemeinen eine Auflösung von 3840x2160 Bildpunkten. Die Gesamtzahl der auf dem Display verbauten Pixel steigt gegenüber FullHD also von 2 Millionen auf etwa 8 Millionen Bildpunkte.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird UHD gerne als 4K bezeichnet, da beide Form...
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird UHD gerne als 4K bezeichnet, da beide Formate grob einer Auflösung von 4000x2000 nahekommen. © Piotr Adamowicz - Fotolia

Noch ein paar zusätzliche Pixel bringt 4K, zumindest wenn wir uns am Cinema 4K orientieren, einer Auflösung, die aus dem Einsatz im Kino stammt. In diesem Falle werden 4096x2304 Bildpunkte dargestellt, die 4K sind also klar ersichtlich. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird aber auch UHD gerne als 4K bezeichnet, da beide Formate grob einer Auflösung von 4000x2000 nahekommen. Fachleute sprechen daher auch von 4K2K – 4000 mal 2000.

Welche Vorteile bringt UHD?

Der Trend zu immer größeren Bilddiagonalen erfordert immer mehr Bildpunkte, damit diese nicht einzeln sichtbar sind. Galten vor einigen Jahren 40 Zoll als adäquat fürs Wohnzimmer, greifen die meisten Kunden heutzutage eher zu Geräten mit 47 Zoll und mehr. Höhere Auflösungen sorgen bei derart großen Fernsehern für weniger pixelige Bilder, zumindest wenn der Nutzer nah genug am Fernseher sitzt.

Gutes UHD-Bildmaterial beweist: UHD-Fernseher können eine beeindruckend brillante Darstellung erzeugen. Schon FullHD-Filme wirken auf entsprechenden Fernsehern scharf und knackig. Stellt man diesen allerdings gutes 4K-Material gegenüber, scheint ein Grauschleier vom Bild genommen worden zu sein. Autokennzeichen sind auch aus großer Entfernung gut lesbar, selbst kleinste Details werden dargestellt wie im echten Leben. 

Ein Blu-ray-Film wirkt dadurch nicht veraltet, UHD beweist aber, dass es immer noch etwas besser geht. Vor allem, wenn feinste Details dargestellt werden sollen. Beeindruckende Ergebnisse liefert UHD vor allem bei Sportveranstaltungen. Fußball ist auch live im Stadion nicht schärfer, die UHD-Aufnahme katapultiert den Zuschauer direkt auf das Spielfeld.

Welche Größe sollte ein UHD-Fernseher haben?

Bei zu kleinen Diagonalen ist der Unterschied zwischen FullHD und UHD nur schwer sichtbar. Je kleiner der Fernseher, desto näher muss der Nutzer am Bildschirm sitzen, um einen Vorteil durch die höhere Auflösung zu sehen. Allgemein gilt der Ratschlag, UHD erst ab 55 Zoll Displaydiagonale in Erwägung zu ziehen. Bei einem normalen Betrachtungsabstand von etwa 3 Metern ist bei 55 Zoll noch ein sichtbarer Vorteil gegenüber FullHD erkennbar.

Kleinere UHD-Fernseher erfordern einen geringeren Betrachtungsabstand, bei noch größeren Modellen kann der Zuschauer auch gerne noch deutlich weiter entfernt sitzen. Die Topmodelle der großen Hersteller LG und Samsung kommen auf Diagonalen von über 100 Zoll – mit solchen Giganten niedrig aufgelöstes Material zu schauen bringt nur sehr wenig Spaß. Fernsehen in SD-Qualität kann dann auch ein geschicktes Hochrechnen nicht mehr retten.

Gibt es schon Filme in UHD oder 4K Auflösung?

Wie so oft bei der Einführung neuer Technologien besteht ein Henne-Ei-Problem: Neue Fernseher lassen sich nur schwer verkaufen, wenn keine Filme dafür vorhanden sind. UHD-Filme allerdings kauft niemand ohne den entsprechenden Fernseher. Dazu kommt ein weiteres Problem: Die Blu-ray-Disk fasst mit maximal 100 Gigabyte gerade genug für lange Filme in FullHD, UHD-Material benötigt aber viermal so viel Speicherplatz.

Hersteller wie Sony arbeiten daher daran, UHD-Filme mit besseren Kompressionen dennoch auf BD anbieten zu können. Aus reiner Verzweiflung bietet Sony zudem einen Medienplayer mit 2 Terabyte Festplattenspeicher an, der mit einer Auswahl UHD-Filme ausgeliefert wird.

Hoffnung bietet der Kompressionsstandard H.265. Gegenüber dem heute sehr weit verbreiteten Vorgänger H.264 bietet der neue Standard eine sichtbare Verbesserung der Kompression. Bedeutet: Bei gleichbleibender Bildqualität lässt sich die Datenmenge im Idealfall halbieren. So sollen UHD-Filme auch auf Blu-ray-Discs passen und in Zukunft sogar per Satellit oder Kabelanschluss ausgestrahlt werden.

In Japan existieren bereits TV-Sender, die in UHD ausstrahlen, ein Sendebetrieb in 8K ist für die kommenden Jahre geplant. In Deutschland wird es damit allerdings noch etwas länger dauern.

Streaming ist zumindest für Nutzer einer schnellen Internetleitung eine Alternative. Einzelne Anbieter und auch YouTube streamen bereits in 4K. Da sich der Markt generell von optischen Datenträgern wie Blu-ray verabschiedet, sind jetzt die Internetanbieter gefordert, ausreichend schnelle Leitungen zur Verfügung zu stellen, sonst gilt ein Ungleichgewicht: 4K in der Stadt, SD auf dem Lande.

Wie teuer ist ein UHD-Fernseher?

Die Preise für ultrahochauflösende Fernseher sind in den letzten Monaten recht drastisch gesunken. Hersteller wie HiSense bieten Geräte mit 42 Zoll Bilddiagonale bereits für unter 500 Euro an, 4K-Fernseher für 400 US-Dollar sind für den US-Markt bereits angekündigt. Von TCL gibt es mit dem U55S7606DS ein 55-Zoll-Modell für 699 Euro.

Sinnvoller als diese Schnäppchen sind jedoch Geräte mit größeren Diagonalen ab 55 Zoll. Markenhersteller wie Sony, Samsung oder LG verlangen für ihre UHD-Fernseher allerdings deutlich mehr Geld als asiatische Noname-Firmen. Ab etwa 900 Euro startet Samsungs UE55HU6900 mit 55 Zoll Diagonale (133 cm) und guter Ausstattung inklusive Sprachsteuerung. Auch LG bewegt sich im Preisrahmen um 900 Euro, der LG 55LA9659 wird für etwa 949 Euro gelistet und bietet neben 3D auch einen integrierten Subwoofer für satteren Sound.

Welchen Vorteil bietet UHD, solange es nur wenige Filme in 4K gibt?

Zugegeben, ohne speziell in 4K angebotene Filme ist ein UHD-Fernseher primär eine Investition in die Zukunft. Allerdings verfügen sowohl 4K-Medienplayer als auch viele UHD-Fernseher über teils sehr gute Upscaler. Ein Upscaler sorgt dafür, dass niedriger aufgelöstes Material geschickt hochgerechnet wird. Diese Technologie ist nicht neu, viele FullHD-Geräte beherrschen diese Funktion bereits und rechnen SD-Material hoch, um eine bessere Bildqualität ausgeben zu können. Tatsächlich funktioniert das Upscaling zumindest bei den Markenherstellern sehr gut, auch in UHD. So erscheint ein Blu-ray-Film in vielen Fällen schärfer und klarer auf einem UHD-Fernseher.

Wunder wirken kann Upscaling natürlich nicht, nicht gespeicherte Bildinformationen kann auch ein noch so pfiffiger Chip nicht herzaubern. Echtes UHD-Filmmaterial ist daher einem hochgerechneten immer vorzuziehen. Sony geht einen Mittelweg und verkauft „UHD-ready“-Filme, die zwar nicht in der hohen UHD-Auflösung gespeichert sind, aus deren Quellmaterial der Sony-Upscaler aber mehr Informationen zum Hochrechnen ziehen kann als bei normalen Blu-ray-Filmen. Ergebnis: Eine bessere Bildqualität nah an der von nativen UHD-Filmen.

Doch nicht nur Filme profitieren von der hohen Auflösung, auch Fotos schauen auf einem UHD-Fernseher beeindruckend aus. So gut wie jede aktuelle Digitalkamera löst zumindest bei der Fotoaufnahme mit weit mehr als 4K auf, entsprechend scharf werden Fotos auch auf dem UHD-TV dargestellt. Einige moderne Kameras, aber auch Smartphones und Tablets wie beispielsweise Sonys Xperia-Z-Serie, nehmen sogar Videos in 4K auf, die sich dann problemlos und mit beeindruckender Detailtreue auf dem Fernseher wiedergeben lassen.

Fazit: Brauche ich einen 4K-Fernseher?

Noch bieten FullHD-Fernseher das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis, auch in Anbetracht der unsicheren Versorgung mit ultrahochauflösendem Filmmaterial. Die TV-Evolution wird sich allerdings nicht mehr aufhalten lassen, weshalb in Zukunft UHD-Fernseher den Platz der FullHD-Geräte einnehmen werden.

Wer seinen neuen Fernseher etwas länger nutzen möchte und für diese Zukunftssicherheit auch gerne ein paar Euro zusätzlich investiert, der sollte jetzt schon zu einem UHD-Fernseher greifen. Denn selbst wenn der UHD-Fernseher erst einmal nur als FullHD-TV genutzt wird, bietet er doch im Normalfall durch Upscaling eine etwas bessere Bildqualität. Liegt die Preisgrenze aber bei unter 700 Euro oder ist nicht ausreichend Platz für ein Gerät mit 55 oder mehr Zoll vorhanden, reicht der Griff zu einem klassischen FullHD-Fernseher.