Auch die Nationalflagge im Visier
Ramelow spricht sich für Abstimmung über Nationalhymne aus
- Veröffentlicht: 29.08.2025
- 11:33 Uhr
- Claudia Scheele
Eine neue Nationalhymne und eine Abstimmung über die deutsche Flagge: Bodo Ramelow fordert eine Reform der nationalen Symbole, um Ost und West stärker zu vereinen.
Der Bundestagsvizepräsident und ehemalige Ministerpräsident Thüringens, Bodo Ramelow (Linke), hat eine Debatte über die deutsche Nationalhymne und die Landesflagge angestoßen. Im Gespräch mit der "Rheinischen Post" sprach er sich dafür aus, die "Kinderhymne" von Bertolt Brecht als neue Nationalhymne zur Abstimmung zu stellen und auch die Farben der Flagge – Schwarz-Rot-Gold – demokratisch überprüfen zu lassen. Ramelow will mit diesen Vorschlägen eine stärkere Identifikation mit nationalen Symbolen schaffen und die Einheit zwischen Ost- und Westdeutschen fördern.
Kinderhymne als Alternative zur Nationalhymne
Im Interview erklärte Ramelow, dass viele Ostdeutsche die aktuelle Hymne nicht mitsingen könnten. "Ich kenne viele Ostdeutsche, die die Nationalhymne aus vielerlei Gründen nicht mitsingen. Ich würde daher tatsächlich gerne die Kinderhymne von Bertolt Brecht zur Abstimmung stellen."
Die "Kinderhymne", geschrieben 1950 von Bertolt Brecht, enthält Zeilen wie "Dass ein gutes Deutschland blühe, wie ein andres gutes Land". Ramelow sieht darin einen Text, der sowohl Ost- als auch Westdeutsche ansprechen könnte und die Einheit Deutschlands besser repräsentieren würde. "Über die Passage, dass ein besseres Deutschland blühe, könnten wir Zugang zu einer gesamtdeutschen Hymne finden, die wir alle zusammen mit Freude singen könnten", so der Linken-Politiker.
Trotz seiner Begeisterung für die "Kinderhymne" betonte Ramelow, dass er selbst die dritte Strophe des "Lieds der Deutschen" mitsinge. "Ich singe die dritte Strophe unserer aktuellen Hymne mit Begeisterung, weil ich sie einordnen kann." Dennoch sieht er in einer neuen Hymne eine Möglichkeit, nationale Symbole zu modernisieren und sie stärker mit den heutigen gesellschaftlichen Realitäten in Einklang zu bringen.
Abstimmung über Schwarz-Rot-Gold
Neben der Hymne schlägt Ramelow auch eine Volksabstimmung über die Farben der deutschen Flagge vor. Während Schwarz-Rot-Gold historisch für die Absage an totalitäre Strukturen steht und eng mit der demokratischen Tradition Deutschlands verbunden ist, glaubt Ramelow, dass viele Menschen – insbesondere im Osten – mit der Flagge fremdeln.
Er plädiert dafür, Artikel 146 des Grundgesetzes als Grundlage für eine solche Abstimmung zu nutzen. Dieser Artikel besagt, dass das Grundgesetz seine Gültigkeit verliert, sobald eine neue Verfassung in Kraft tritt, die vom deutschen Volk in freier Entscheidung beschlossen wurde. Ramelow sieht in einer solchen Abstimmung eine Chance, sowohl Hymne als auch Flagge auf eine breite demokratische Basis zu stellen und mögliche Identifikationsprobleme zu überwinden.
Kritik und Debatte um nationale Symbole
Ramelows Vorschläge rühren an zentrale Symbole der deutschen Identität und lösen daher Kontroversen aus. Während Befürworter:innen in der "Kinderhymne" einen integrativen Text sehen, der Ost und West gleichermaßen anspricht, warnen Kritiker:innen davor, bewährte nationale Symbole wie das "Lied der Deutschen" oder Schwarz-Rot-Gold infrage zu stellen. Diese hätten eine zentrale Rolle in der demokratischen Geschichte Deutschlands gespielt und stünden für Freiheit und Einheit.
Ramelow hingegen argumentiert, dass gerade eine Volksabstimmung über Hymne und Flagge dazu beitragen könnte, das Identifikationspotenzial dieser Symbole zu erhöhen. Eine neue Hymne oder Flagge könnte seiner Meinung nach helfen, die emotionale Distanz zwischen Ost- und Westdeutschen zu verringern.
Bereits 2019 hatte Ramelow als Ministerpräsident Thüringens eine Debatte über die Einführung der "Kinderhymne" angestoßen. Damals wie heute stieß er auf gemischte Reaktionen: Während einige seinen Vorschlag als Möglichkeit sahen, nationalen Symbolen neue Bedeutung zu verleihen, empfanden andere ihn als Angriff auf bestehende Traditionen.
- Verwendete Quellen:
- Rheinische Post: ""Ein Christ muss Sozialist sein""