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KOLUMNE

Donald Trump: Hass ist seine Nachricht

  • Aktualisiert: 09.01.2024
  • 16:29 Uhr
  • Axel Storm
Donald Trump sitzt im Gerichtssaal vom New York Supreme Court.
Donald Trump sitzt im Gerichtssaal vom New York Supreme Court.© Mary Altaffer/POOL AP/dpa

Donald Trump könnte wieder Präsident werden. So surreal das Szenario, so ernsthaft die Gefahr für Amerikas Demokratie.

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Inzwischen ist es mehr als offensichtlich, wo die Reise hingeht. Wenn Donald Trump über politische Gegner, über Oppositionelle, über Menschen, die ihn nicht unterstützen, spricht, bedient er sich der Sprache der Nazis: Diese Menschen seien "Ungeziefer", "vermin" auf Englisch, das man "ausrotten" müsste. So klingt der Ex-Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, elf Monate vor der Wahl. Und es lässt erahnen, was er vorhat, sollte ihm der Wiedereinzug ins Weiße Haus gelingen: Er wird wohl die Axt ansetzen, am stolzen Stamm der US-Demokratie.

Im Kern antidemokratisch

Jason Stanley, ein renommierter Professor an der Eliteuniversität Yale, beschreibt Trump in einem Interview mit dem Magazin "Vanity Fair" so: Trump sei "der Anführer eines Kultes, der den Aufbau der Nation verspricht, indem er Teile der Nation vernichtet". Gemeint seien Linke, Liberale, Minderheiten, Feministen. "Trump verspricht, staatliche Gewalt gegen diese angeblichen Feinde des Staates einzusetzen", sagt Stanley weiter. Im Kern sei Trumpismus immer "undemokratisch".

Mehr noch. Der Vergleich mit dem Faschismus drängt sich auf. Immer wieder kündigt Trump bei Wahlkampfauftritten, aber auch bei Statements vor Gericht an, er werde das US-Justizministerium auf seine Feinde ansetzen. Die Migrationskrise im Süden der USA, bei der die Biden-Regierung ein schwaches Bild abgibt, nennt er "Invasion". Die Demokratische Partei könne "ohne Betrug nicht gewinnen". Und seine MAGA-Bewegung ("Make America Great Again") sei die "Größte" in der Geschichte des Landes.

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Diktatur mit Ansage

Was nun, wenn der Ex-Präsident tatsächlich, wie erwartet, zum Spitzenkandidaten der Republikanischen Partei gekürt wird? Wenn er es schafft, den schwächelnden Biden in der Wahl am 5. November zu schlagen? Dann wird sich Amerika verändern, massiv. Nicht zum Guten, steht zu befürchten.

Trump bediene sich "klar faschistischer Rhetorik, die zudem noch sehr präzise ist", sagt Ruth Ben-Ghiat, eine Historikerin an der Universität von New York in der New York Times. Dass auf die Rhetorik Taten folgen würden, im Falle eines Wahlsieges von Trump, daran zweifeln in Washington die wenigsten.

Wahlkampf mit Hass

Die Grundpfeiler der US-amerikanischen Nation prangen in großen Lettern auf den Dollarscheinen: "E Pluribus Unum", aus dem Lateinischen, frei übersetzt in etwa: "Aus der Vielfalt Einheit". Das Motto zum Staat, ersonnen von den Gründungsvätern, verabschiedet 1776 zur Verabschiedung der Unabhängigkeitserklärung, die DNS der modernen USA, wenn man so will, heute wird sie von Donald Trump in Abrede gestellt.

Trump hetzt gegen Minderheiten, gesellschaftliche Akteure, vor allem aber gegen politische Gegner in einer Art und Weise, die jedem Demokraten die Nackenhaare aufstellt. Minderheiten werden weiter marginalisiert, politische Gegner aufs Übelste, auch unter der Gürtellinie, beschimpft (Sonderermittler Jack Smith nennt Trump "deranged" – geistesgestört, US-Präsident Biden bezeichnet er als "crooked" – korrupt, oder er nennt ihn "Sleepy Joe" – schlafenden Joe, in Anspielung auf dessen Alter).

Aber warum bricht die Unterstützung für Trump nicht, bei all diesen deutlichen (Vor-)Zeichen? Warum führt er in Umfragen zeitweise sogar im direkten Vergleich mit dem Amtsinhaber? Warum halten Millionen von US-Amerikanern ausgerechnet ihn, den vierfach Angeklagten, für den richtigen Mann als Commander-in-Chief?

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Ein Kult und seine Anhänger

In Gesprächen mit Trump-Anhängern wird uns immer wieder klar: Echte "Ultra-MAGAs" sind für Fakten wenig zugänglich. Trumps Falschbehauptungen, seine Lügen, die vielfach nachgewiesenen Fehltritte, die Straftaten des Ex-Präsidenten, all das verfängt schlicht nicht. Viel mehr verfangen seine Behauptungen, Amerika stehe am Abgrund. Nur mit ihm würde das Land aus der tiefen Depression herausfinden, die die "Kommunisten, Liberalen, Woken" den USA eingebrockt hätten. Nur er sei der Mann, der Frieden in der Ukraine und im Nahen Osten herstellen könnte. Nur Donald Trump könne eine prosperierende Zukunft für alle US-Bürger sicherstellen. Dass solche Aussagen im starken Kontrast zum deutlich artikulierten Hass auf ganze Teile der Gesellschaft stehen, das wiederum wird geflissentlich ignoriert.

Dieser Spin, zusammen mit den offensichtlichen Problemen - Haushaltskrise, Staatsverschuldung, Ukraine- und Israelkonflikt, Drogenproblem, Inflation - sorgt bei der Trump-Basis für einen nahezu unerschütterlichen Glauben an einen Mann, der, man muss es so sagen, erneut auf dem Weg ins Weiße Haus ist.

Seine Chancen stehen nicht schlecht, zur Stunde.

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