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Wissenschaftler besorgt

Island: Warum dieser Vulkanausbruch sehr gefährlich sein könnte

  • Aktualisiert: 20.12.2023
  • 21:01 Uhr
  • Joachim Vonderthann
Dieses von der isländischen Küstenwache zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt einen Hubschrauber, der bei sich bei Grindavik der Magma nähert.
Dieses von der isländischen Küstenwache zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt einen Hubschrauber, der bei sich bei Grindavik der Magma nähert.© Uncredited/Icelandic Coast Guard/AP/dpa

Zehnmal mehr Lava als bei früheren Ausbrüchen und viele ungelöste Rätsel: Die jüngste Eruption auf Island beunruhigt Vulkanexpert:innen weltweit. 

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Das Wichtigste in Kürze

  • Der aktuelle Vulkanausbruch auf Island hat auch Forschende überrascht.

  • Einige Faktoren sprechen dafür, dass der Ausbruch gefährlicher sein könnte als frühere Eruptionen.

  • Völlig offen ist etwa, wie die unterirdischen Magmaströme zusammenhängen.

Die Bilder vom erneuten Vulkanausbruch auf der isländischen Halbinsel Reykjanes faszinieren die Welt. Doch dieser Ausbruch ist anders. Dieses Mal sei die Gefahr größer als bei bisherigen Ausbrüchen, die Intensität höher und die Auswirkungen potenziell verheerend, schätzt das Wissenschaftsmagazin "National Geographic" am Mittwoch (20. Dezember) die Lage ein. 

Beispielloses Geschehen

Innerhalb von nur zwei Stunden nach einer beunruhigenden Serie von Erdbeben sei der Vulkan zum Leben erweckt worden. Mit einer beispiellosen Wucht schleuderte er Lava in die Höhe - zehnmal mehr pro Sekunde als bei vorherigen Ausbrüchen. Ein Spalt von unglaublichen vier Kilometern Länge öffnete sich und spie Feuer und Glut in die Luft. Dieses rasante und explosive Verhalten ist dem Bericht zufolge ein alarmierendes Zeichen dafür, dass sich hier etwas Besonderes abspielt.

Im Video: Island-Vulkan bedroht Grindavik

Doch das sei noch nicht alles, was diesen Ausbruch so gefährlich mache. Die Lavaströme bahnen sich einen Weg in Richtung der Stadt Grindavík und eines wichtigen Geothermiekraftwerks, Svartsengi. Dies könnte eine tickende Zeitbombe sein. Evakuierungen wurden angeordnet und Schutzmauern errichtet, um das Schlimmste zu verhindern. Doch die Unsicherheit bleibt. Die Frage sei nicht, ob, sondern wann die Lava ihre zerstörerische Kraft entfesseln wird.

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Vulkanolog:innen stochern im Nebel

Die Expert:innen stehen laut "National Geographic" vor einem Rätsel. Warum ausgerechnet dieser Ort? Wie hängen die unterirdischen vulkanischen Ströme zusammen? Der renommierte Vulkanologe Mike Burton von der University of Manchester sagt: "Wir sind immer noch dabei, die Zusammenhänge zu verstehen. Es ist eine komplexe Frage, die uns weiterhin fasziniert und herausfordert."

Der Ausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel ist aber nicht nur eine Bedrohung, sondern auch eine einzigartige Chance für die Wissenschaft. Forschende aus aller Welt reisen an, um Daten zu sammeln und die Funktionsweise von Vulkanen besser zu verstehen. Dieses Naturspektakel bietet eine unvergleichliche Möglichkeit, tiefer in die Geheimnisse der Erde einzutauchen und mögliche Gefahren in der Zukunft genauer zu prognostizieren zu können.

Während die Behörden Evakuierungen durchführen und Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, um die Bevölkerung zu schützen, bleibt die Situation unberechenbar. Mike Burton warnt: "Wir müssen wachsam bleiben und jede Entwicklung genau verfolgen, um schnell reagieren und die Sicherheit der Menschen gewährleisten zu können."

Unterirdische Magma-Ströme geben Rätsel auf

Ein bislang ungelöstes Rätsel stellen für die Expert:innen dem Bericht zufolge besonders die unterirdischen vulkanischen Verbindungen dar. Es sei schlichtweg unklar, warum Svartsengi dieses Mal das Ziel des Magmas war. Stammt es möglicherweise vom Vulkanberg Fagradalsfjall oder von einem anderen unterirdischen Speicher? 

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:newstime

Innerhalb eines Tages nach dem Ausbruch sei es Forscher:innen gelungen, eine Probe der Lava des neuen Ausbruchs zu entnehmen und sie mit den letzten drei auf der Halbinsel zu vergleichen, so "National Geographic". Laut Ed Marshall, einem Geowissenschaftler an der Universität von Island, haben sie alle eine weitgehend ähnliche Chemie. Das könnte bedeuten, dass es eine Art magmatische Verbindung zwischen Svartsengi und Fagradalsfjall gibt – aber wie diese Verbindung aussehen könnte, ist wie vieles andere derzeit noch unklar.

Das Fazit des Berichts: Aktuell könnten alle Wissenschaftler:innen das Feuerinferno nur beobachten und hoffen, dass ihre Untersuchungen die Rätsel hinter diesem vulkanischen Gewaltausbruch irgendwann lösen. 

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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